Abschluss in der Tasche, der Sommer steht vor der Tür und mit ihm das Gefühl, endlich frei zu sein. Doch kaum haben wir unser Zeugnis in der Hand, folgt die allgegenwärtige Frage: „Und, was machst du jetzt eigentlich?“ Ungefragt prasseln Ratschläge zur Berufswahl auf uns herein. Dabei wollen viele von uns sich damit erstmal noch Zeit lassen und vor allem: erstmal Geld verdienen. Gleichzeitig sind wir mit ziemlich vielen Hürden in der Berufsfindung konfrontiert.
Gen-Z will nicht mehr arbeiten?
- Laut der Bertelsmann-Studie „Ausbildungsperspektiven 2025″ möchte jede:r Fünfte Jugendliche in Deutschland nach der Schule erstmal arbeiten, anstatt direkt mit einer Ausbildung oder einem Studium anzufangen.
- Ob Abi oder Realschulabschluss, dieser Trend zeigt sich über die Schulabschlüsse hinweg, die Gründe sind aber ganz unterschiedlich. So geben Schüler:innen mit einem niedrigeren Schulabschluss an, Schwierigkeiten beim Schreiben einer Bewerbung zu haben und auch nicht die geforderten Qualifikationen zu erfüllen. Befragte mit einem höheren Schulabschluss hingegen haben vielmehr Schwierigkeiten damit herauszufinden, was sie überhaupt machen möchten.
- Ausbildung ist wichtig: Ohne reguläre Ausbildung steigt das Risiko, arbeitslos zu werden und ein Leben lang wenig zu verdienen. Und die Zahl derjenigen, die keinen Abschluss hat, ist ziemlich groß: Fast 3 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 haben keinen Berufsabschluss (Berufsbildungsbericht 2023).
→ Ob praktische Hürden oder Orientierungslosigkeit, für viele ist klar: Der Job nach der Schule ist der Start für die Unabhängigkeit und häufig eine Zeit für die Orientierung.
Keiner will mehr eine Ausbildung machen?
- Reality Check: Die duale Ausbildung, also im Betrieb und in der Berufsschule, ist der beliebteste Bildungsweg nach dem Schulabschluss.
- Das eigentliche Problem ist strukturell: Wir hören von allen Seiten, wie dringend es Fachkräfte braucht. Gleichzeitig gibt es aber 250.000 junge Menschen, die erfolglos einen Ausbildungsplatz suchen. In den letzten Jahren sind andererseits rund 70.000 Stellen unbesetzt geblieben.
- Gründe dafür: Die Voraussetzungen werden immer schwieriger, um eine Ausbildung zu beginnen – viele Betriebe stellen also ziemlich hohe Ansprüche an ihre Azubis. Außerdem ist Ausbilden teuer – und so schließt die deutsche Regierung immer mehr „Fachkräfte-Deals“ ab, um gezielt bereits qualifizierte Arbeitskräfte nach Deutschland zu holen und so sich die Kosten für die Ausbildung zu sparen.
Studium wird uns hinterhergeworfen?
- Reality Check: Zwar gibt es ein riesiges Angebot von rund 10.000 Bachelorstudiengängen, trotzdem ist der Zugang zu beliebten Fächern oft schwer.
- Die Hürden sind hoch: Für viele Studiengänge sind die Zulassungsbeschränkungen groß, immer häufiger gibt es 1er NCs. Durch die hohen NCs für Studiengänge wie Psychologie, entscheiden sich immer mehr für ein privates Studium. Mittlerweile studieren etwa 13% an privaten Unis, wo man mal eben 400€, mal 800€ im Monat bezahlen muss.
Immer mehr von uns können sich ein Studium nicht mehr leisten oder müssen während der Ausbildung einen Nebenjob machen. Es liegt also an unserer Situation an sich, dass viele von uns nach der Schule erst einmal arbeiten gehen – um überhaupt Geld zu haben, etwas für die Ausbildung zu sparen oder um ein bisschen unabhängiger zu sein. Ein Studienplatz bringt uns nichts, wenn wir uns keine Wohnung leisten können oder vor der Ausbildung Geld zur Seite legen müssen, weil die Ausbildungsvergütung nicht zum Leben reicht. Es braucht eine ausfinanzierte Bildung, denn wir sind es, die darunter leiden, schlecht ausgebildet zu sein!
