Malle brennt jetzt einmal im Jahr

Wie schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende Prävention als Brandbeschleuniger wirken

Spanien, Portugal, Griechenland, Albanien, Kroatien, Bosnien, Nordmazedonien, Montenegro, Türkei, Italien – schaut man auf Google Maps ist Südeuropa bedeckt mit den kleinen roten Flammen-Symbolen. Allein in Spanien ist diesen Sommer schon eine Fläche größer als ganz Mallorca abgebrannt. In Griechenland bedrohten unkontrollierbare Brände die Hauptstadt Athen und Touristen mussten sich vor den Bränden an Strände flüchten. Die Brände scheinen völlig außerhalb der menschlichen Kontrolle zu sein, nichts scheint sie aufhalten zu können. So zumindest wirkt es, wenn man den Politikern der Länder und der EU zuhört. 

Europa brennt. Der neue sommerliche Normalzustand?

Umweltschützer warnen schon lange davor, dass Waldbrände nicht nur immer häufiger auftreten, sondern sich durch anhaltende Hitzeperioden auch zu immer größeren Bedrohungen entwickeln. Wie eine aktuelle Auswertung des Europäischen Waldbrandinformationssystems (EFFIS) zeigt, hat sich die Zahl der Feuer allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zu den Jahren 2008 bis 2021 drastisch erhöht. Und 2025 ist so viel Waldfläche innerhalb der EU wie nie zuvor seit den Aufzeichnungen abgebrannt, über 1 Millionen Hektar. 

Und das konnten wir diesen Sommer in ganz Südeuropa sehen: Tagelang hingen die Rauchwolken über den Städten, unzählige Menschen wurden evakuiert, immer mehr Häuser und Agrarland brennen jedes Jahr ab. Und das nicht nur in Südeuropa. Selbst im klimatisch milden Deutschland kommt es inzwischen jeden Sommer zu Waldbränden. Dieses Jahr hat es bisher in Thüringen und Sachsen Waldbrände gegeben, die mehrere Ortschaften bedrohten.

Das ist aber nicht nur eine Folge des Klimawandels, sondern von einer Politik, die Geld nicht in eine gut aufgestellte Feuerwehr, Brand- und Klimaschutz investiert, sondern lieber in Aufrüstung, Polizei und Militär.  

Und wer löscht die Feuer?

In Spanien wurde der Waldbrandschutz zu großen Teilen privatisiert und ausgelagert. Die Feuerwehrkräfte arbeiten in Zeitarbeitsverhältnissen, mit Beginn der Brandsaison werden sie eingestellt, und nach den Sommermonaten dann wieder entlassen. Dabei wird immer wieder von Experten betont, wie wichtig es ist, dass die Feuerwehrkräfte die Umgebung sehr gut kennen, um die Brände effektiv löschen zu können. Sie verdienen gerade einmal 1300 Euro im Monat, während sie ein extremes Risiko auch für ihr eigenes Leben eingehen. Versprochene Zuschläge werden nicht ausgezahlt. Deswegen sind mitten in der Brandsaison Feuerwehrkräfte in Spanien in den Streik gezogen. 24-Stunden-Schichten, verdorbenes Essen und Überlastung durch das Nichteinhalten der Pausen sowie die institutionelle Vernachlässigung des Waldbranschutzes führen zu einer Zunahme tödlicher Unfälle, sagen die gewerkschaftlich organisierten Feuerwehrkräfte. So starben in Spanien diesen Sommer schon vier Feuerwehrmänner während ihrer Einsätze. Die Gewerkschaft CTG macht die Regierung verantwortlich für ihren Tod und fordert bessere Bezahlung und richtige Prävention. 

Was tut die Politik?

Griechische Initiativen stellen heraus, dass die Regierung erst aktiv gegen die Brände wird, wenn touristische Gebiete betroffen sind und keine andere Lösung als Evakuierung haben. Immer wieder sprechen Politiker ihr Mitleid mit den Ausgebrannten aus und versprechen, nächstes Jahr mehr gegen die Brände tun zu wollen. In Griechenland hat die Regierung nun beschlossen, härter gegen Brandstifter vorzugehen und höhere Strafen zu verteilen und in Spanien möchten Regionalregierungen sogenannte Pyromanenlisten erstellen. Aber dieses Vorgehen lenkt von der eigenen Schuld an der Situation ab. Sie setzt der von den Bränden und der Zerstörung betroffenen Bevölkerung damit andere Schuldige hin, frei nach gesellschaftlichen Spaltungslinien und bekannten Sündenböcken und politischen Feinden, was beispielsweise in Griechenland Geflüchtete oder jugendliche Anarchisten trifft. Dass das Problem aber nicht bei den Brandstiftern anfängt, wird dadurch unter den Tisch gekehrt. 

Es sind die zunehmenden Hitze- und Trockenperioden durch den Klimawandel, die fehlende Prävention, schlechte Arbeitsbedingungen und die mangelhafte Ausrüstung der Feuerwehr,  die bewusst nicht angegangen werden. Auch die Hilfspakete der EU sind häufig nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kommen viel zu spät, reichen nicht aus oder gehen an die falschen Stellen. So wurde in Griechenland zuletzt bekannt, dass die Regierung über OPEKEPE, dem zuständigen Ministerium Agrarsubventionen und Wiederaufbau-Pakete in die Taschen ihrer eigenen Leute verteilte, während die öffentliche Forstwirtschaft kaputtgespart wurde und quasi nicht mehr existent ist. Anwohner aus Brandregionen berichten, dass sie freiwillig die Wälder von leicht entzündlichem Unterholz befreien wollten, dafür aber keine Genehmigung von den Behörden erhielten. Dabei spielt die Frage der Waldpflege eine elementare Rolle darin, wie schnell Brände unter Kontrolle gebracht werden können und das Ausbreiten verhindert werden kann. Wo viel trockenes Unterholz rumliegt oder nach Regenperioden viel Gebüsch nachgewachsen ist, verbreiten sich die Brände rasend schnell.

Während es überall an Feuerwehrkräften, Ausrüstung und Geld für richtige Präventionsmaßnahmen mangelt, haben sich die Militärausgaben Spaniens verdoppelt. Griechenland hat unter der aktuellen Regierung so viele Polizisten und Priester von staatlichen Geldern eingestellt wie nie, obwohl tausende Feuerwehrkräfte fehlen, um die Brände schnell kontrollieren und löschen zu können. Die EU hat Militärausgaben in Höhe von 800 Milliarden beschlossen, während nicht genügend Geld da ist, um geeignete Präventionsmaßnahmen umzusetzen und die Einsatzkräfte materiell wie personell geeignet aufzustocken, geschweige denn für einen funktionierenden Klimaschutz.

Wo die Prioritäten liegen, sollte damit klar sein.

Die Politik zündelt, die arbeitenden Menschen löschen!

Aber es sind auch eben nicht ihre Häuser, Gärten oder Tiere, die den Flammen zum Opfer fallen. Es sind die arbeitenden Menschen, die durch die Brände massenhaft enteignet werden und am Ende ohne alles dastehen und froh sein können, wenn kein Mensch gestorben ist. Und so sind es auch die Menschen selbst, die unzähligen freiwilligen Helfer und Feuerwehrkräfte, die die Feuer löschen und das nicht selten mit Eimern und Gartenschläuchen oder immensen Überstunden und schlechter Ausrüstung. Dort wo der Staat nicht hilft, sind es die Anwohner selbst, die sich zusammenschließen und die Löscheinsätze organisieren. Auch rufen Arbeiter- und Jugendorganisationen auf, sich an den Löscheinsätzen zu beteiligen, sie organisieren Hilfe, vom Löschen selbst bis zur Unterbringung und Verpflegung. 

Denn am Ende ist es das Volk was unter den Bränden leidet und es ist auch das Volk was die Brände löscht, während die Regierungen durch ihre Politik die Brände weiter anheizen.

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