Tagtäglich bekommen wir durch die Nachrichten mit, dass Krieg auf der Erde herrscht, obwohl wir alle in der Schule gelernt haben, dass Krieg etwas Schlechtes ist. Dennoch sind fast alle westlichen Ländern andauernd im Krieg. Die Rahmenerzählung ist, dass dies notwendig ist, um Demokratie und Menschenrechte zu schützen. Aber was steckt wirklich hinter dieser offiziellen Erklärung?
Geschichte des Krieges
Egal, ob es das Römische Imperium war, das British Empire oder die Maya, alle diese Gesellschaften haben Krieg geführt, und das aus einem relativ einfachen Grund: Sie wollten ihren Machtbereich ausbauen, Ressourcen für das eigene Land erobern und Konkurrenten ausschalten, um ihre Machtstellung zu sichern. All diese Dinge waren nie daran gekoppelt, Menschenrechte zu schützen oder Demokratien zu fördern. Mit Hilfe dieser Rahmenerzählung lassen sich rückwirkend aber so gut wie alle Kriege vor 1945 erklären. Danach wird es jedoch schwierig.
Kalter Krieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das UNO Gewaltverbot ausgerufen, in dem es heißt: „Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede (…) Androhung oder Anwendung von Gewalt. „Da nun also keine Kriege mehr wegen den zuvor genannten Gründen geführt werden durften, gab es eine neue Rahmenerzählung, mit der die Kriege gerechtfertigt wurden. Während des Kalten Krieges ging es vor allem darum, die „Barbarei“ der Sowjetunion zu zerschlagen, die sich nicht an die „Werte des Westens“ wie Menschenrechte und Demokratie halte. Auf Grundlage dessen wurden blutige Kriege in Afghanistan, Korea, Ägypten, Irak, Iran und Vietnam geführt. Betrachtet man diese Kriege rückwirkend, lässt sich jedoch das alte Schema wiedererkennen. Zwar wurde offen ausgesprochen, dass man die Machteinflüsse des Westens erweitern müsse, um die UdSSR zu stürzen, jedoch wurde verschwiegen, dass Menschenrechte gebrochen und Demokratien gestürzt wurden, um an Öl und geostrategisch wichtige Orte zu kommen. So hat beispielsweise die CIA im Iran 1953 den demokratisch gewählten Präsidenten Mohammad Mossadegh gestürzt, der zuvor das Öl verstaatlicht hatte. Aus diesem Grund wurde der den wirtschaftlichen Interessen des Westens wohl gesonnene Machthaber Fazlollah Zahedi etabliert, der das Öl wieder privatisierte und somit westlichen Firmen Zugang zu den Ölquellen sicherte. Nachdem jedoch das iranische Öl aufgrund der Islamischen Revolution wieder verstaatlicht wurde, unterstützen die USA den irakischen Diktator Saddam Hussein, der ebenfalls durch die CIA unterstützt wurde, bei einem Angriffskrieg auf den Iran (Erster Golfkrieg). Hussein verwendete Giftgas und verletze somit das Völkerrecht und die Genfer Konvention. Als wäre all das nicht genug, belieferten die USA beide Seiten mit Waffen. Dies ist nur eines von viel zu vielen Beispielen, an denen man erkennen kann, dass es dem Westen nicht um Demokratie und Menschenrechte ging. Dennoch argumentieren hohe amerikanische Beamte noch heute, dass es diese „Kollateralschäden“ wert war, um die Werte des Westens zu schützen.
Und nach dem Kalten Krieg?
Auch nach dem Ende des Kalten Krieges hörten die Kriege nicht auf. Jedoch finden sie heute unter einer anderen Rahmenerzählung statt. Denn die USA nahmen den 11. September als Vorwand, den „Krieg gegen den Terror“ auszurufen, um auf Grundlage dessen Afghanistan, Irak, Iran und weitere Länder anzugreifen. Mehrere Millionen Menschen starben im Nahen Osten und Demokratie und Menschenrechte spielten auch hier keine Rolle.
Ein gutes Beispiel hierfür stellt wieder einmal der Irak dar. Denn um einen Krieg gegen den Irak zu beginnen, wurde Saddam Hussein von den USA beschuldigt, seine Massenvernichtungswaffen aus dem Ersten Golf Krieg nicht beseitigt zu haben und neue zu bauen. Auf Grundlage dieser Anschuldigungen folgte eine von den USA initiierte Offensive, die mehr als 500.000 Todesopfer forderte und zwei verwüstete Länder hinterließ (Dritter Golfkrieg). Es wurde jedoch mit keinem Wort erwähnt, dass Hussein zuvor von der CIA an die Macht gebracht wurde. Außerdem ist man sich bis heute einig, dass die Anschuldigungen auf falschen Tatsachen beruhten. Sogar die Tagesschau veröffentlichte eine Stellungnahme darüber, dass es bis heute keine Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak gibt. Darüber hinaus sind sich überdurchschnittlich viele Wissenschaftler und Journalisten einig, dass die USA einen Vorwand brauchten, um an Öl und geostrategische wichtige Regionen zu kommen.
Macht und Ressourcen oder Demokratie und Menschenrecht?
Wir können jedenfalls erkennen, dass Kriege nicht geführt werden, um Demokratie und Menschenrechte zu schützen. Hinter der Rahmenerzählung, mit der uns die heutigen Kriege erklärt werden, stecken nicht moralisch-ethische Werte, sondern knallharte geostrategische Interessen, die verschleiert werden sollen. Vor allem durch diese Unwissenheit und falsche Informationen ist auch die Masse der Bevölkerung bereit, Kriege zu führen, die nicht in ihrem Interesse stehen. Der Appell muss sein, sich selbst mit Kriegen zu befassen, eine eigene Meinung zu generieren und die Erzählungen rund um Kriegsgeschehen kritisch zu hinterfragen – denn solange mit Krieg Geld verdient wird, wird es immer Menschen geben, die ein Interesse haben, diesen zu rechtfertigen.
