Jung, weiblich und im Dienstleistungssektor. Im Jahr 2024 bekamen 19% Frauen Niedrieglöhne. Das Statistische Bundesamt begründet diese Zahl damit, dass Frauen häufiger Teilzeit- oder geringfügig Beschäftigte sind. Doch warum ist das so? Und was hat die Erhöhung des Mindestlohns damit zu tun?
Der Mindestlohn soll steigen!
Ende Juni gab die Mindestlohnkommission die Erhöhung des Mindestlohns auf 13,90 Euro ab dem 1. Januar 2026 und ab 2027 auf 14,60 Euro bekannt. Obwohl das zunächst nach einer Menge klingt, liegt Deutschland damit trotzdem unter der Mindestlohnrichtlinie der Europäischen Union (EU). Nach dieser Berechnung müsste der aktuelle Mindestlohn in Deutschland bereits bei 15,12 Euro liegen. Doch welche Auswirkung hat diese Erhöhung konkret und wer profitiert am meisten davon?
Der Niedriglohnsektor ist weiblich
Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamts werden von der Erhöhung des Mindestlohns vor allem Frauen profitieren. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um einen feministischen Akt. Mit der Erhöhung des Mindestlohns wird auch die Minijob-Grenze angehoben. Laut einem Bericht des Wirtschafts- und Sozialinstituts sind 60 % der Beschäftigten, die ausschließlich in einem Minijob arbeiten, Frauen. Bei der Beschäftigung in Teilzeit sieht es ähnlich aus: Frauen arbeiten viermal so häufig in Teilzeit als Männer. Somit liegt auch der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen ungefähr 18,3 % unter dem der Männer. Doch warum arbeiten Frauen vermehrt in geringfügigen Arbeitsverhältnissen? Minijobs sind keineswegs ein Zuverdienst für Luxusgüter, sondern werden häufig benötigt, um die Existenz zu sichern. Viele Frauen entscheiden sich aufgrund steuerlicher Fehlanreize für einen Minijob. Dieser wirkt auf den ersten Blick attraktiver, da keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen. Langfristig schafft das vor allem Abhängigkeiten vom Partner. Frauen in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen erwerben beispielsweise weniger Rentenansprüche und haben damit ein höheres Risiko für Altersarmut. Zudem weiß jede:r in einer solchen Beschäftigungsform, wie schwierig es sein kann, Arbeitsrechte wie bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Zuschläge für besondere Arbeitszeiten einzufordern. Gleichzeitig sehen wir jedoch, dass Frauen 44,3 % mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer. Darunter fallen Haushaltsführung, Kinderbetreuung, aber auch die Pflege von Angehörigen. Für viele Frauen ist es daher nahezu unmöglich, gleichzeitig in Vollzeit zu arbeiten. Das führt zu einer ungleichen Verteilung von Geld und Zeit und schafft ein Machtgefälle.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
In den am schlechtesten bezahlten Berufen in Deutschland liegt der Frauenanteil bei ungefähr 80%. Dazu zählen die Beschäftigung im Lebensmitteleinzelhandel, Floristik, sowie Körperpflege. Dort wo die Arbeitsbedingungen schlecht sind und das Gehalt nicht zu einem selbstbestimmten Leben reicht, sehen wir ebenfalls, wie schwierig es ist, sich als Arbeitnehmer:innen zu organisieren. Deswegen ist es wichtig, solidarisch mit ihren Kämpfen zu sein, sei es in der Pflege, im Einzelhandel oder im Sozialbereich. Ein eindrückliches Beispiel dafür sind die Arbeitskämpfe bei der Charité-Tochterfirma CFM. Im Jahr 2005 wurden die Beschäftigten ausgelagert und damit aus dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) herausgenommen. Hierbei handelt es sich vermehrt um Frauen in Kantinen, Reinigungskräfte, der Medizintechnik und im Krankenhaustransport. Die Folge: Für die gleiche Arbeit wie ihre Kolleg:innen an der Charité bekamen sie bis zu 700 Euro weniger im Monat. Nach wochenlangen Streiks und harten Verhandlungen erfolgte im Juni 2025 die erste Lohnanpassung. Bis 2030 sollen alle CFM-Beschäftigte endlich nach TVöD bezahlt werden. Dort, wo wir viele sind, können wir etwas verändern! Wir fordern: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Solidarität mit allen Arbeitskämpfen – denn: Frauenkampf heißt Arbeitskampf!
