Wieder einmal ist Herbst und die Ausbildungen beginnen. Ein großer Schritt für uns Jugendliche, denn wir sollen in diesen drei Jahren auf unsere berufliche Zukunft vorbereitet werden. Immer wieder hört man Sprüche wie „Such dir eine gute Ausbildung“ oder „Lern was Vernünftiges“. Wir wollen dem auch gerecht werden, um für das Arbeitsleben gewappnet zu sein. Aber was, wenn‘s nicht so läuft wie erhofft?
Ausbildung und erstmal reality Check
Voller Spannung starten viele in die Ausbildung. Das Kennenlernen in den ersten Tagen, vielleicht eine Konferenz zur Vorstellung des Unternehmens, wichtig klingende Zahlen und eventuell noch ein Häppchen. Ganz entspannt, doch schon in den ersten Wochen müssen viele bereits Überstunden oder gar ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen. Ein paar Wochen später schaut man sich im Betrieb um und sieht, dass man ähnliche Aufgaben wie ausgebildete Fachkräfte erledigt. Vor allem in der Pflege sind viele Azubis damit konfrontiert und obwohl es Gesetze dagegen gibt, müssen sie eigenständig Pflegesituationen bewältigen oder ohne die Betreuung einer Fachkraft Patienten betreuen oder Medikamente aushändigen. Bei einer durchschnittlichen Ausbildungsvergütung von 750€ im ersten Lehrjahr fragt man sich, ob dich dein Chef nicht einfach als super billige Arbeitskraft einsetzt, die vollwertige Aufgaben übernimmt. Dadurch lernt man nicht, was für die jeweilige Ausbildung vorgesehen ist. Für diese Aufgaben bekommt man oftmals keine ausreichende Unterstützung. Andererseits leidet die Gesundheit unter dem Stress und den langen Arbeitszeiten. Und weil man sich noch in der Probezeit befindet, oder keine garantierte Übernahme hat, hält man doch lieber die Füße still, um die Zukunft nicht zu gefährden.
Gibt’s irgendwo Hilfe?
Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) und der Betriebsrat sind deine Interessenvertretungen im Betrieb, an die du dich wenden solltest, wenn etwas nicht nach Plan läuft, du dich unfair behandelt oder überlastet fühlst. Sie organisieren auch Versammlungen, an denen sich Azubis austauschen können und bringen Verbesserungsvorschläge ein. Dazu gibt es noch die Gewerkschaften, an die du dich wenden kannst, denn diese setzen sich für die Interessen der Arbeiter ein und verhandeln somit auch die Tarifverträge für dich. Zudem sind Gewerkschaften auch der Ort, an dem sich Arbeiter organisieren können, um für ihre Interessen zu einzustehen, was sich z.B. in Streiks äußern kann. In den Tarifverträgen sind neben Ausbildungsvergütung und Sonderzahlungen auch Rahmenbedingungen für die Ausbildung festgesetzt, wie beispielsweise Arbeits- und Ruhezeiten, Übernahmegarantien oder die Ausbildungstätigkeiten. All das sind Plattformen, in denen wir uns als junge Arbeiter einbringen sollten, denn das sind wichtige Möglichkeiten, im Betrieb mitzubestimmen.
Deshalb lasst uns aktiv werden!
Dennoch sollten wir die Betriebsräte, JAV’s und Gewerkschaften nicht nur als „Hilfskörper“ sehen, die uns mal helfen, wenn‘s stressig oder unangenehm wird. Denn es kommt auch immer drauf an, wer drinnen sitzt. Es liegt an uns sicherzustellen, dass wirklich die Interessen der Belegschaft vertreten werden. Denn wir sollten uns bewusst sein, dass sowohl JAV’s und Betriebsräte als auch die Gewerkschaften für die Durchsetzung UNSERER Interessen da sind. Unsere Chefs werden immer versuchen (egal wie korrekt dein Chef auch ist) dich so lange arbeiten zu lassen wie möglich, zu einem möglichst niedrigen Lohn, weil sie damit am meisten Profit machen. Je länger und mehr wir arbeiten, desto mehr verdient unser Chef mit uns. Doch wir wollen nicht den ganzen Tag für ihre Profite schuften. Wir wollen arbeiten, um uns ein vernünftiges Leben leisten zu können, ohne Sorgen, die Miete oder das Essen nicht zahlen zu können und mit genug Zeit für unsere Familie, Freunde und Hobbies! Deshalb sind die JAV’s, Betriebsräte und vor allem Gewerkschaften da, um für unsere Interessen, also mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen und kürzere Arbeitszeiten einzustehen. Doch wie oben geschrieben, dürfen wir uns nicht blind auf diese Institutionen verlassen, deshalb liegt es an uns jungen Arbeiterinnen und Arbeitern, diese Plattformen zu nutzen, um unsere Inhalte hineinzutragen und für Verbesserungen zu kämpfen. Also lasst uns die Betriebsratswahlen 2026 nutzen, um in diese Gremien hineinzukommen und unsere Interessen als Arbeiter durchzusetzen. Sprecht mit euren Kolleginnen und Kollegen, organisiert euch und kämpft für eure Interessen! Denn nur gemeinsam sind wir stark!
