Ist Trump dumm?

Als die USA Anfang April teils hohe Zölle gegen viele Staaten verhängte, machte sich das halbe Internet vor allem darüber lustig, dass auch die unbewohnten McDonald-Inseln betroffen waren, auf welcher nur Pinguine leben. Andere waren am Boden zerstört, weil ihr Aktiendepot in ein massives Minus geraten ist. Worin sich dadurch fast alle einig waren: Jetzt ist Trump endgültig durchgedreht.

Boys will be boys

Seit dem ersten Verkünden der Zölle durch Trump ist viel passiert. Mit China liefert er sich einen Überbietungswettbewerb, während für über 75 andere Staaten die Zölle auf zehn Prozent beschränkt wurden. Allesamt hatten zuvor eine Verhandlungslösung gesucht. Innerhalb der US-Regierung gab es durch die Zollpolitik einen hitzigen Konflikt zwischen US-Milliardär und Chefberater Trumps Elon Musk und einem Berater zum Thema Zollpolitik namens Peter Navarro. Nachdem sich Musk kritisch gegenüber den Zöllen äußerte, wurde ihm von Navarro nahegelegt, weniger ausländische Bauteile zu verwenden, woraufhin Musk ihn als „Idioten“ und „dümmer als ein Sack Ziegel“ bezeichnete. Diese Auseinandersetzung, welche von Trumps Sprecherin Karoline Leavitt mit dem Kommentar „Boys will be boys“ versucht wurde zu entschärfen, zeigt auf, dass auch Trumps engste Vertraute keineswegs von der aktuellen Politik überzeugt sind. Dadurch scheint es durchaus berechtigt zu fragen: Ist Trump dumm?

Wieso eigentlich Zölle?

Die USA verfolgen mehrere Ziele mit ihrem Handelskrieg. Anhand der hohen Zölle gegen China wird vor allem deutlich, dass probiert wird, sich gegen den größten Konkurrenten durchzusetzen. Die USA droht wirtschaftlich von China überholt zu werden und ist dabei das Land, in welches China mit Abstand am meisten seiner Waren verkauft. Der Wert der durch die USA nach China importierten Waren ist wiederum fast zwei Drittel geringer. 

Doch treffen die amerikanischen Zölle bei weitem nicht nur China. Bei der ersten Verkündung der neuen Zölle war China anfangs noch nicht einmal an oberster Stelle. Stattdessen verhängte die USA die höchsten Zölle gegen Lesotho. Dieses kleine, von Südafrika komplett umschlossene, afrikanische Land lebt vor allem vom Diamantenexport und dem Export von Jeans an die US-Firmen Levi‘s und Wrangler. Die festgelegten Zölle in Höhe von 50 Prozent drohten das Land hart zu treffen, doch auch mit diesem soll wie mit allen Ländern, außer China, nun verhandelt werden. Das Ziel der Verhandlungen: Das Erreichen einer vollständigen Abhängigkeit Lesothos und vieler weiterer Staaten, die keinerlei Mittel haben, sich gegen die USA zu wehren. Mögliche Auswege dieser Länder werden von Trumps vorsitzendem Wirtschaftsberater Stephen Miran in einem Regierungsschreiben sehr offen dargelegt. Er bietet anderen Staaten an die Zölle zu akzeptieren, ohne mit Vergeltungsmaßnahmen zu reagieren, der USA ihre Märkte zu öffnen, mehr Geld in ihr Militär zu investieren, Fabriken in den USA zu bauen oder einfach dem US-Finanzministerium Geld zu überweisen. 

Gleichzeitig soll der wachsende chinesische Einfluss in Ländern wie Lesotho unterbunden werden. Und dies zeigt Wirkung. Mittlerweile erteilte Lesotho Musks Unternehmen „Starlink“ eine Lizenz für die nächsten Jahre, die zuvor abgelehnt wurde.

Ein Angriff auf uns alle

In den letzten Wochen gingen hunderttausende Amerikaner auf die Straßen, um gegen Trumps Politik zu demonstrieren. Die Demonstrationen gelten vielen Aspekten von Trumps Politik, wie den Kürzungen im sozialen Bereich, den Massenentlassungen in Behörden, dem autoritären Staatsumbau, aber auch den drohenden Preisexplosionen einiger Produkte, die sich aufgrund der Zölle gegen China verteuern werden. Der Versuch Trumps der USA den weltweiten Führungsanspruch zu sichern, geschieht eben nicht im Interesse der amerikanischen Bevölkerung, sondern ganz im Gegenteil vor allem auch auf ihrem Rücken und stattdessen im Interesse der US-Konzerne. Für diese muss sich etwas ändern, denn vor allem im Vergleich mit chinesischen Produkten fällt es den Unternehmen immer schwerer mitzuhalten. Für einige von ihnen könnte sich der Handelskrieg, bei welchem nur zu hoffen bleibt, dass er nicht bald auch militärisch ausgetragen wird, durchaus rentieren.

Dumm ist das ganze also nicht, ganz in Gegenteil: Die USA verfolgt einen klaren Plan. Ein Plan für die Milliardäre und die US-Konzerne, der sich gleichzeitig aber gegen alle Arbeiter und Jugendlichen richtet, egal ob sie Amerikaner oder Chinesen sind oder Völkern aus aller Welt angehören.

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