POV: Du bist auf WG Suche

Dein WG-Zimmer wurde gekündigt, weil die WG kernsaniert werden soll, jetzt bist du wieder auf Wohnungssuche. Eine bezahlbare, eigene kleine Wohnung zu finden ist so kurzfristig sowieso unrealistisch, deswegen hast du dir WG-Gesucht wieder heruntergeladen und scrollst gerade durch die App. Zu weit weg, zu teuer, ne Burschenschaft, nur zur Zwischenmiete, zu teuer, hmm sieht ganz interessant aus, packe ich mal in die Favoriten, schlechte Lage, zu klein, das Zimmer ist irgendwie komisch, … und so geht das noch ein bisschen weiter. Am Ende hast du so zehn WG Zimmer in den Favoriten, auf die aber wahrscheinlich dutzend Bewerber kommen und entsprechend viele Absagen bekommst du, bis irgendwann auf ein überteuertes Zimmer mit Schimmel oder weit weg von der Uni zurückgegriffen werden muss, weil man eben nehmen muss was man kriegt um ins erste Semester nicht auf der Straße starten zu müssen – so oder so ähnlich sehen tatsächlich häufig die Erfahrungen von uns Studierenden auf Wohnungssuche aus, daher ist es an der Zeit mal einen genaueren Blick auf das Thema zu werfen.

Als junge Menschen leiden wir aktuell besonders unter den absurd hohen Mieten. Ein durchschnittliches WG-Zimmer kostet in München schlappe 790 Euro, aber auch in Köln, Hamburg, Berlin oder Frankfurt bezahlt man durchschnittlich über 600 Euro für ein WG-Zimmer. Der BAföG -Wohnsatz hingegen liegt bei 380 Euro. Das reicht bei Weitem nicht, um die Miete zu bezahlen. Daher müssen heute etwa 65 bis 70 Prozent der Studierenden in Deutschland eben dem Studium arbeiten. Das birgt nicht nur die Gefahr, das Studium zu verlängern, sondern legt auch insbesondere auf Studierende, die BAföG erhalten, einen enormen Leistungsdruck auf, da BAföG maximal ein Semester länger als Regelstudienzeit gezahlt wird. Gerade in den Großstädten wird das Leben für uns immer unbezahlbarer und die Mieten sind dort seit 2015 um etwa 50 Prozent gestiegen. Das betrifft uns als junge Menschen besonders, da wir uns vorrangig in diesen Großstädten bewegen, dort gibt es Studienplätze, Ausbildungsplätze und Freizeitangebote, während gerade in den Kleinstädten und Dörfern immer mehr Jugendangebote weggespart werden, wenn es sie überhaupt gibt. All das führt dazu, dass wir von den steigenden Mieten extrem belastet sind, 54 Prozent des Einkommens von uns Studierenden geht allein für die Miete drauf und etwa 77 Prozent der Studierenden, die nicht mehr zu Hause wohnen, sind armutsgefährdet.

Doch was macht die Politik dagegen?

Dass man die Wohnungsnot stoppen werde, ist ein Wahlversprechen, dass sich jede Regierung der letzten Jahre auf die Schilder geschrieben hat. Deshalb sollten wir uns die wichtigsten Maßnahmen und Gesetze dafür mal genauer anschauen: 

  1. Es gibt zu wenig Plätze in Studierendenwohnheimen. Die Studierendenwerke werden bis zur Handlungsunfähigkeit kaputtgespart und das macht sich eben nicht nur in steigenden Mensapreisen und Studiengebühren bemerkbar, sondern auch in fehlenden Studierendenwohnheimsplätzen, so warten in Berlin aktuell über 5000 Studierende auf einen Platz. Und wenn man durch Glück ein Wohnheimzimmer bekommen hat, muss man auch hier mit steigenden Mieten rechnen. 
  2. Die Mietpreisbremse wurde zwar bis 2029 verlängert und besagt, dass die Miete bei Neuvermietung maximal 10 Prozent über der Umgebungsmiete liegen darf. Allerdings ändert das nichts an den aktuell schon viel zu hohen Mietpreisen und darüber hinaus fehlt es an einer funktionierenden Kontrollinstanz. Aktuell muss jede Verletzung der Mietpreisbremse von den Mietern selbst zur Anzeige gebracht werden, was für die meisten ohnehin schwierig zu realisieren und mit großem Aufwand verbunden ist. Darüber hinaus verliert die Mietpreisbremse durch die vielen Ausnahmen zusätzlich an Wirkung. 
  3. Auch die Anzahl der Sozialwohnungen sinkt seit den 1990ern stetig. Damals gab es noch etwa 4 Millionen Sozialwohnungen, 2005 nur noch etwa 2 Millionen und aktuell hat sich die Anzahl erneut halbiert und es gibt nur noch etwa 1 Million Sozialwohnungen. Wobei „es gibt“ eigentlich nicht der richtige Ausdruck ist. Die Wohnungen gibt es immer noch, allerdings funktionieren Sozialwohnungen so, dass der deutsche Staat Wohungsunternehmen bezuschusst, die Sozialwohnungen bauen. Anschließend dürfen diese Wohnungen für 15 bis 25 Jahre, abhängig vom Bundesland, nur für eine sogenannte „Kostenmiete“ vermietet werden, also für den Preis, den die Wohnung in Anschaffung und Aufrechterhaltung kostet. Danach fallen diese Wohnungen zurück in den Spekulationsmarkt. Das heißt, das System der Sozialwohnungen ist im Grunde genommen nicht mehr als eine staatliche Investitionsförderung mit sozialer Zwischennutzung. Man kann sagen, dass so öffentliche Gelder so zu Gunsten von Wohnungsunternehmen umverteilt werden. 
  4. Ähnlich funktioniert auch das Konzept des Wohngeldes. Hier bezuschusst der Staat nur die überhöhten Mieten und auch das schafft keine nachhaltige Veränderung, die den steigenden Mieten ernsthaft etwas entgegensetzen könnte. 
  5. Und zuletzt soll der Neubau als Lösung der Wohnungsnot dienen. Die Ampel setzte sich das Ziel, dass jährlich 400.000 Wohnungen gebaut werden sollen, was jedoch nie erreicht wurde. Auch die Merz Regierung will die Baubranche fördern und dafür den „Bau-Turbo“ erlassen. Dabei soll ein Bürokratieabbau das Bauen für die Bauunternehmer profitabler machen. Aber was bringen uns die ganzen neuen Wohnungen, wenn bei Neubauten die höchsten Mietpreise verlangt werden?

Wir sehen also: Alle Maßnahmen der Politik sind vor allem darauf ausgerichtet, den Vermietern nicht wirklich zu schaden und den Baufirmen noch mehr Geld in die Tasche zu spülen. Die sich immer weiter verstärkende Wohnungsnot wird so nicht aufgehalten.

Wohnung als Ware

Was ist überhaupt der Grund dafür, dass die Mieten immer weiter steigen? Wohnungen sind in unserer Gesellschaft Waren. Das bedeutet, dass sie gebaut werden, damit ihre Eigentümer sie gewinnbringend verkaufen oder vermieten können. Für die Vermieter ist das die alles bestimmende Eigenschaft der Wohnung und nicht, dass sie als Zuhause dienen kann, für jemanden, der sie braucht. Je höher die Miete, desto mehr Profit lässt sich erreichen. Die Versorgung mit gutem und günstigem Wohnraum für alle steht deshalb dem Profitinteresse der Vermieter entgegen. Was Wohnungen von anderen Waren unterscheidet und eine entscheidende Rolle dabei spielt, dass die Mieten so extrem steigen, ist die Bedeutung vom Boden. 

Die Grundlage für jeden Wohnraum ist immer der Boden auf dem dieser steht und als solcher hat der Boden im Wesentlichen drei besondere Eigenschaften. Zum einen ist der Boden Grundlage für jede Form der Produktion, ob auf diesem letztendlich eine Fabrik, Infrastruktur, Landwirtschaft oder deine Wohnung steht, ohne den Boden darunter geht nix! Zum anderen ist der Boden begrenzt. Egal wie groß der Bedarf auch wird, mehr Boden lässt sich nicht produzieren. Zuletzt ist der Großteil des Bodens in Privateigentum, das heißt, er wird zum Handels- und Spekulationsgegenstand. Nun sind die Bodenpreise seit 2010 um etwa 58 Prozent gestiegen, was wiederum den Druck für die Eigentümer mit der Nutzung, die auf dem Boden stattfinden soll, noch höhere Gewinne zu machen, entscheidend erhöht. Auf der einen Seite führt das direkt zu steigenden Mieten, auf der anderen Seite wird auf dieser Grundlage darüber entschieden, was überhaupt gebaut wird. Und im Gegensatz zu günstigen Mietwohnungen entsprechen Einkaufszentren, teure Eigentumswohnungen, Büros den Profitbestrebungen sehr viel mehr. 

Der Grund dafür, dass die Mieten steigen und steigen, ist also das Streben der Vermieter und Grundeigentümer nach Profit, was sich daraus ergibt, dass beides als Ware am Markt gehandelt wird. 

Und die Folgen davon zeigen sich deutlich in unserem Alltag als Studierende. Es kann nicht sein, dass wir in Turnhallen untergebracht werden müssen oder über eine Stunde zur Uni brauchen, bezahlbarer Wohnraum darf nicht den Profitinteressen von Immobilienbesitzern untergeordnet werden, sondern muss bezahlbar und in unserem Interesse gestaltet sein – und dafür müssen wir unsere Kämpfe um diese Forderungen vereinen und laut machen. Wir brauchen einen BAföG-Satz, der für ein selbstbestimmtes Leben reicht, einen Wohnsatz, der der aktuellen Realität auf dem Wohnungsmarkt entspricht. Wir brauchen Wohnungen, die nicht dafür da sind, ihren Eigentümern einen Gewinn zu sichern! Das bedeutet mehr Wohnungen im öffentlichen Eigentum, Sozialwohnungen, die auch bleiben und für uns Studierende und Azubis mehr Wohnheimplätze bei den Studierendenwerken ohne Mietsteigerungen. 

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