Warum die Friedensbewegung eine Jugendbewegung sein muss
Während die Welt inmitten von Kriegen und Krisen steht, wird die Militarisierung hierzulande immer weiter vorangetrieben. Mit aller Anstrengung wird versucht, den Krieg und eine potenzielle Wehrpflicht besonders unter uns jungen Menschen wieder attraktiv zu machen. Doch damit Milliarden in Aufrüstung fließen können, werden die finanziellen Mittel in Bereichen wie Bildung und Gesundheit drastisch gekürzt, was wir tagtäglich zu spüren bekommen. Und die Angst vor Krieg wächst – das zeigte die letzte Shell-Jugendstudie deutlich, nach der 81 Prozent der Jugendlichen ihn als größte Sorge nennen.
Nachdem Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Jahre 1919 aufgrund ihres Einstehens gegen Krieg und Ausbeutung ermordet und zwei Weltkriege auf Kosten der Arbeiterklasse ausgetragen wurden, wuchs die Friedensbewegung im Deutschland der Nachkriegszeit: Neben dem Widerstand gegen die Wiederbewaffnung der BRD und den NATO-Beitritt 1955 entstand ab 1960 die Ostermarsch-Bewegung als Protest gegen das nukleare Aufrüsten, die zu großen Teilen auch von jungen Menschen getragen und vorangetrieben wurde. In den 1980er Jahren entwickelte sich die Friedensbewegung immer weiter zu einer Massenbewegung, die auch Schüler, Studierende und junge Arbeiterinnen und Arbeiter mobilisierte.
Unterdrückung von Friedensstimmen
Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges sehen wir, dass die Friedensbewegung in Deutschland noch verstärkter angegriffen wird als ohnehin schon. Wer sich für Frieden und ein Ende der Waffenlieferungen in der Ukraine ausspricht, wird im politischen und medialen Diskurs oft als „russlandfreundlich“ oder naiv abgetan, während Stimmen für Frieden in Palästina durch repressive Maßnahmen als antisemitisch verfolgt werden. So soll jegliche Kritik an der Kriegspolitik delegitimiert werden, damit verschleiert bleibt, dass Waffenexporte und die Sicherung von geopolitischen Interessen Profite bringen.
Die Schwächen der Friedensbewegung
Neben den Repressionen von Außen gibt es auch innerhalb der Friedensbewegung große Unterschiede in den Positionen, die zu ihrer Schwächung beitragen. Das führt wiederum dazu, dass sie es nicht ausreichend schafft, die Jugend in Deutschland, die die Auswirkungen der Kriegspolitik enorm spürt und beispielsweise für ein Ende des Krieges in Palästina auf die Straßen geht, abzuholen und zu vereinen.
Ein zentrales Problem der Bewegung zeigt sich darin, dass große Teile heute nicht mehr den Kampf der Arbeiterklasse und damit auch den der arbeitenden und lernenden Jugend als das Mittel sehen, um Frieden zu schaffen und sich stattdessen mit imperialistischen Staaten solidarisieren. So betrachten manche innerhalb der Friedensbewegung die aufstrebenden imperialistischen Länder Russland oder China als notwendiges Gegengewicht zum US-Imperialismus und sprechen von einem zu erreichenden Gleichgewicht der Interessen dieser Mächte, wodurch Frieden hergestellt werden könne. Das ist eine Position, die nicht zuletzt auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar in Berlin sichtbar wurde. Doch in unserem Kampf für Frieden und gegen Ausbeutung können wir uns auf keine Seite der imperialistischen Mächte stellen. Wir als Jugendverbände müssen entschlossen einen antiimperialistischen Standpunkt vertreten, mit dem wir als Arbeiter und Jugendliche den Kriegstreibern in Deutschland entgegentreten müssen – und genau das konnten wir auf verschiedenen Podien und mit unseren Publikationen auf der Konferenz nach Außen tragen.
„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“
Sei es vergangenes Jahr zur bundesweiten Friedensdemonstration in Berlin, im April beim Ostermarsch und durch unsere Präsenz bei der Rosa Luxemburg Konferenz und der anschließenden Liebknecht-Luxemburg Demonstration: Wir kämpfen für eine starke Friedensbewegung, indem wir sie mit unseren Sorgen als Jugendliche zusammenbringen und unsere Forderungen weiter auf Podien, in unsere Schulen, Unis und Betrieben vertreten. Denn wir wissen: Von Kriegen profitieren die Herrschenden, also das Kapital und seine Politik. Wir als Jugend waren, sind und werden immer die Verlierer jedes imperialistischen Krieges sein. Wenn wir ein selbstbestimmtes und sicheres Leben, eine Zukunft erkämpfen wollen, dann müssen wir uns gemeinsam gegen die Militarisierung und die daraus resultierenden Angriffe auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen stellen.
Lasst uns daher bei den Ostermärschen in unseren Städten gemeinsam unsere Positionen auf die Straßen tragen und die Friedensbewegung durch die Kraft der Jugend befeuern. Denn wir wollen nicht für ihre Kriege sterben, wir wollen eine sichere und gute Zukunft!
