Wir Wollen Wohnen!

Nachdem wir in der vergangenen Ausgabe über die Wohnsituation der Auszubildenden in Frankfurt am Main und deren Kampf für bezahlbare Mieten berichtet haben, greifen wir hier eine Wohnkampagne aus der Hansestadt auf. Unter dem Namen „Wir Wollen Wohnen“ kämpft die Hamburger Studierendenschaft für mehr Wohnraum für Studierende – aber warum?

Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Miete für ein WG-Zimmer in Hamburg bei 620 €, 2019 noch bei 470 €. Während sich also die Miete immer rasanter entwickelt hat und innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 150€ teurer wurde, hat sich der Anteil des BAföG, welcher für die Miete vorgesehen ist, nur um plus 55 € entwickelt und liegt im Jahr 2024 bei 380 € – eine Riesenlücke also!

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in einer Studie des Paritätischen Gesamtverbands aus dem Jahr 2024 wider. Das Ergebnis der Studie ist schockierend, denn es sind viel mehr Menschen arm als bisher angenommen, denn: Wohnen macht arm! Normalerweise wird Armut durch Einkommen berechnet, aber nach Abzug der Miete sind über 5 Millionen mehr Menschen in Deutschland arm als bisher angenommen. Alleine im Jahr 2023 lag die „wohnkostenbereinigte Armutsquote“ in Hamburg bei 26,8 %, bei den nur 18- bis 25-Jährigen bei 31 % (Paritätischer Gesamtverband, Kurzexpertise Wohnarmut 12/24). Auch Studierendenwohnheime, die bezahlbaren Wohnraum schaffen würden, sind Mangelware: Auf einen freien Wohnheimplatz kommen im Schnitt über 2.800 Bewerber. Als zum Wintersemester 2024 klar wurde, dass sich auch noch die Monatsmieten in den Studierendenwohnheimen um 36 € erhöhen werden, war klar, dass etwas passieren muss.

Die Landesastenkonferenz, also der Zusammenschluss der Studierendenvertretungen Hamburgs, beschloss eine Kampagne: „Wir wollen Wohnen“ hat vier Hauptforderungen: Mehr Wohnheimplätze durch Umwidmung und Neubau, einen Mietendeckel, mehr Wohnungen mit Grundrissen für Studi-Bedürfnisse und mehr Wohnungen im öffentlichen Eigentum. Die Kampagne und ihre Forderungen wurden zu Beginn des Semesters durch verschiedene Gruppen – darunter wir als IJV und die Hochschulgruppen aus dem AStA – an die Studierenden der Uni Hamburg, der Technischen Universität, der Hochschule für bildende Künste und der Hochschule für angewandte Wissenschaften getragen, sei es mit Quizabenden für Erstsemester oder gemeinsamem Schildermalen für eine erste Demo. Am 25.10. war es dann soweit: Mit einigen hunderten Studierenden ging es von der Bibliothek zum Rathaus. Einige Medien griffen die Demonstration auf – doch natürlich war das lange nicht genug, um dem Ernst der Lage gerecht zu werden.

In der Zwischenzeit wurde klar, dass kurz vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg auch Neuwahlen anstehen würden. Eine veränderte politische Situation, doch für uns als IJV war klar: Gerade jetzt heißt es Druck machen! Doch bis zur Wahl sind noch einige Monate Zeit – wie schaffen wir es, Kräfte zu sammeln und das Thema noch mehr auf die Tagesordnung zu setzen? In einer Veranstaltung an der Uni starteten wir dafür mit einer Unterschriftenkampagne. Die Unterschriften sind zwar symbolisch, aber sie sind eine Gelegenheit um erstens zu zeigen, wie viele Studierende hinter den Forderungen stehen und zweitens um die Kampagne weiter in der Studierendenschaft zu verankern, indem in Vorlesungen, auf dem Campus, in Fachschaftsräten und zahlreichen studentischen Gruppen und Initiativen dafür gesammelt und das Thema ins Gespräch gebracht wird. Und die Reaktionen zeigen, wie dringend das Thema ist. Die meisten Gespräche verlaufen folgendermaßen: „Hey, hast du schon für mehr Wohnraum für Studierende unterschrieben?“ „Nein, wo ist der Stift?“.

Doch dabei darf es nicht bleiben: Gerade in einer Phase wie jetzt, in der die Parteien lieber über Abschiebungen und faule Arbeitslose als über die wirklichen Probleme sprechen, seien es Wohnungsnot oder Löhne, müssen wir überall den Finger in die Wunde legen. Die „Wir wollen Wohnen“-Kampagne kann dazu beitragen – und sie schließt auch an weitere Initiativen an. Denn überall regt sich Widerstand: Die Wohnheimräte haben sich gegen die Mieterhöhungen zusammengetan, bundesweit wird durch die Mieterbewegung Druck für einen Mietendeckel aufgebaut und auch andere studentische Initiativen wie die Studis gegen Rechts haben sich in Hamburg gegründet. Gerade vor der doppelten Wahl im Frühjahr müssen wir Wege finden, diese Kräfte und Initiativen zusammenzuführen und uns als Studierende nicht aufs Parlament und die Parteien zu verlassen, sondern unsere Organisation und Bewegung aus den Hochschulen selbst zu stärken und zu verbreitern.

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