In Schleswig-Holstein formiert sich der erste Protest gegen die Einführung der sogenannten Verwaltungsgebühren, denn das Land Schleswig-Holstein will bis zum Sommersemester 2026 die Semestergebühren um mindestens 100 € erhöhen. Doch worum geht es eigentlich, wenn Verwaltungsgebühren an Universitäten erhoben werden und warum beteiligen wir uns an dem Protest dagegen?
Studieren heißt arm sein:
Zwischen Nudeln mit Ketchup am Ende des Monats, Leistungsdruck in der Uni, miserablen Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor und immer steigenden Lebensmittelpreisen bleibt vielen von uns kaum noch Luft zum Atmen. Die aktuelle Lage der Studierenden in Deutschland verschlechtert sich immer weiter. Häufig werden Studierende noch als privilegiert dargestellt, jedoch leben 35 % der Studierenden unter der Armutsgrenze. 2021 gaben 10 % der Studis an, ihr Studium aufgrund finanzieller Notlage nicht beenden zu können. Viele von uns kennen den besorgten Blick auf das Konto am Ende des Monats. Hab ich es diesmal geschafft wenigstens bei über 0 € zu bleiben oder muss ich ins Minus gehen? Armut unter Studierenden ist ein Thema, zu dem wir schon viel geschrieben und uns in verschiedenen Städten gegen eingesetzt haben. Die Lage ist dramatisch, aber anscheinend reicht es noch nicht. Das bundesweite Sparprogramm wird auch hier zulasten der breiten Masse ausgeführt. In einigen Bundesländern wird in den neuen Haushaltsplänen Millionen bei der Bildung gespart, auf dem Rücken der Studierenden. Das wollen wir uns nicht gefallen lassen!
„Doppelte Miete“ für 2026 in Schleswig-Holstein:
Das Sparprogramm zeigt sich eben auch ganz konkret an unseren Universitäten – wie bei uns in Schleswig-Holstein: es fehlen sieben Millionen Euro im Bildungsbereich, die nun die Studierenden mit erhöhten Semesterbeiträgen begleichen sollen. Auch in diesem Semester mussten wir unser halbes Gehalt des Minijobs für den Semesterbeitrag blechen. Schon im Wintersemester 2025/26 sollen weitere 60 € für Verwaltungsgebühren obendrauf kommen und im SoSe 2026 nochmal 40 € für Semestertickets und Studentenwerk. Insgesamt erwarten uns also vermutlich 100 € mehr Abgaben. Damit zahlen wir mit knapp 400 € jedes halbe Jahr zusätzlich so viel wie eine Monatsmiete. Verwaltungsgebühren sind Kosten, die eben wie der Name sagt, bei verwaltenden Tätigkeiten entstehen. Diese wurden bis jetzt vom Land Schleswig-Holstein übernommen. Nun macht sich aber der bundesweite Spartrend der Regierung auch auf Landesebene in Form von Haushaltslücken bemerkbar, die jetzt auf dem Rücken der Studierenden gefüllt werden sollen. Das heißt: Unsere Uni wird nicht besser für uns durch die Gebühren, sondern sie bleibt so scheiße, wie sie gerade ist.
Das Verrückteste an dem Ganzen ist, dass die 100 € nicht kostendeckend sind und wir uns darauf einstellen können, in den kommenden Jahren weitere Erhöhungen zahlen zu müssen. Insbesondere, wenn wir den bundesweiten Sparkurs in der Bildung beobachten. Diesen spüren wir auch in den anderen Bundesländern. So wird zum Beispiel in Bremen der Beitrag für die Studierendenwerke auf 90 € pro Semester erhöht und auch in Berlin und Marburg sorgen Kürzungen für höhere Semesterbeiträge. Die Kosten für unsere Ausbildung sollen wir zunehmend tragen und Studieren wird immer mehr zu einem Luxusgut, was einer immer größeren Schicht an jungen Menschen damit zur Last wird und den Zugang zum Studium und einer höheren Bildung erschwert. Dabei werden die Hochschulen einer Standortlogik und Konkurrenz zueinander unterworfen, die ein unmittelbares Produkt der Unterfinanzierung unseres Bildungssystems darstellt. Uns geht es nicht darum, einen Hochschulstandort zu sichern, sondern für gute Studienbedingungen für alle und gegen die Abwälzung der Kosten auf uns Studierende zu kämpfen. Wir lassen uns die bundesweite Sparpolitik nicht länger gefallen. Eine Sparpolitik, die gleichzeitig neben einer immer höheren Militarisierung der Gesellschaft gefahren wird. Das Geld ist da, nur nicht für uns. Und als wäre unsere Zukunft nicht schon unsicher genug aufgrund von Krisen, Klimawandel und Krieg, wird jetzt auch noch gefordert, dass wir für ihre Krisen bezahlen. Nicht mit uns!
Was nun?
Wir als Internationaler Jugendverein Kiel sind Teil des von der Landes-Asten-Konferenz geplanten Protestes: Am 16.01.2025 wird es eine studentische Vollversammlung und eine zentrale Demonstration in Kiel geben. Wir müssen uns als Studierendenschaft, sei es in Hochschulgruppen, Fachschaften und Gewerkschaften, entlang unserer gemeinsamen Interessen organisieren. Dabei geht es auch darum, durch Interessensvertretungen wie den AStA Druck aufzubauen. Denn nur gemeinsam können wir die Pläne der Landesregierung aufhalten und ein Zeichen setzen.
