300 € mehr und eine unbefristete Übernahmegarantie!

Das ist die Forderung der Azubis von Beiersdorf und Aurubis für die aktuelle Chemie Tarifrunde. In beiden Betrieben wurden Jugend- und Auszubildendenversammlung einberufen, bei denen über die Tarifrunde in der Chemieindustrie und die wichtigsten Anliegen für uns Azubis dabei diskutiert wurde. Bei Aurubis und Beiersdorf kamen insgesamt 100 Auszubildende zusammen und haben gemeinsam diese Jugendforderung beschlossen.

Was zuvor geschehen war… 

Schon bevor die beiden Tarifparteien, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) sich das erste Mal an den Verhandlungstisch gesetzt haben, haben die Arbeitgeber in einem Statement deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind auch nur einen Cent zu zahlen.  

Als Grund dafür wird die angespannte wirtschaftliche Situation angeführt, wobei die Betrachtung und Auslegung der Zahlen sehr einseitig ist. Es wird der Einbruch der Produktion, das fehlende Wachstum und die letzten Tariferhöhungen angeführt, die stabile Profitrate und der sinkende Anteil der Entgelte am Umsatz jedoch außen vor gelassen.

Auch der Hauptvorstand der IGBCE übernimmt die negative Darstellung der wirtschaftlichen Situation und beschränkt sich in seiner Forderungsempfehlung darauf, eine Erhöhung der Löhne und die Sicherung von Industriearbeitsplätzen zu fordern, ohne konkrete Zahlen für die Erhöhung zu nennen. Viele Kollegen und vor allem die Auszubildenden, die zum Teil in der Berufsschule das erste Mal erfahren haben, dass es Tarifverträge und -verhandlungen gibt, können sich darunter wenig vorstellen. 

Eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 2,1 Prozent zum Beispiel, würde über der Inflation liegen und so auch das gesteckte Ziel der Einkommenserhöhung erreichen, für einen Azubi im ersten Lehrjahr wären das ca. 24,90 Euro (brutto) mehr im Monat, also netto ungefähr einmal essen gehen ohne Nachtisch.

Was wir wollen

All das haben die Auszubildenden bei Aurubis und Beiersdorf zum Anlass genommen, um gemeinsam zu diskutieren, was sie sich unter einer Forderung vorstellen, die eine tatsächliche Verbesserung ihrer Lebensumstände bedeuten würde. Dabei sind vor allem zwei Themen immer wieder aufgekommen, und zwar die Vergütung und die Übernahme. Das entspricht auch dem Ergebnis einer Umfrage der IGBCE Jugend, bei der sehr viele Azubis von diversen Chemiebetrieben teilgenommen haben. 

Viele Azubis wohnen nicht mehr zu Hause oder finanzieren schon jetzt ein Auto oder müssen von ihrer Vergütung noch die Familie mit unterstützen. Das führt dazu, dass einige noch Nebenjobs neben der Ausbildung machen müssen, um über die Runden zu kommen. Auch wenn das vielleicht nicht bei allen der Fall ist und jeder andere Kosten hat, eins haben wir gemeinsam: Am Ende des Monats ist das Geld knapp. Und spätestens, wenn wir uns anschauen, wie krass teuer alles geworden ist, steht fest: wir brauchen eine Ausbildungsvergütung, die es möglich macht, gut und eigenständig zu leben.

Ein zweites Thema, das vor allem die Azubis aus den höheren Lehrjahren beschäftigt, ist die Übernahme. Bundesweit werden massenhaft Arbeitsplätze in der Industrie abgebaut, beispielsweise bei VW, Bosch oder der Deutschen Bahn.

Bei Beiersdorf ist die Übernahme bereits ein großes Thema und auch wenn Aurubis bisher keinen großen Personalabbau angekündigt hat, ist klar, dass sich die Übernahmechancen schlagartig ändern können, wenn Abteilungen verkleinert werden oder weiter bestimmte Tätigkeiten outgesourct werden. Damit wir eine sichere Zukunftsperspektive haben und den Beruf, den wir in der Ausbildung lernen, auch später ausüben können, brauchen wir eine unbefristete Übernahmegarantie.

Aus der genannten Forderungsempfehlung des Hauptvorstandes ist mittlerweile die beschlossene bundesweite Forderung geworden. Für uns Azubis bleiben unsere Forderungen damit bestehen: Eine Erhöhung unserer Einkommen bedeutet 300 Euro mehr, damit wir ein eigenständiges Leben führen können. Und eine Sicherung der Arbeitsplätze bedeutet für uns eine unbefristete Übernahmegarantie, damit wir eine sichere Zukunft haben. Jetzt heißt es, zusammen mit der ganzen Belegschaft für die Umsetzung dieser Forderungen zu kämpfen. 

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