Anfang Dezember fand die Zweite Hamburger Migrationskonferenz mit über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Wie auch im letzten Jahr wurde mit der Konferenz ein Raum geschaffen, um die Kämpfe für ein solidarisches Zusammenleben zu bündeln und dem zunehmenden Rassismus etwas entgegenzusetzen. Aufgerufen hatten neben den Veranstaltern, der DIDF Hamburg, auch zahlreiche gewerkschaftliche und zivilgesellschaftliche Organisationen.
Besonders interessant dabei war das Podium zum Thema: „Nützliche Migranten, nutzlose Migranten – Was wir gegen nationalistische und rassistische Hetze, Spaltung und Konkurrenz gemeinsam tun können“. Yusuf As (ver.di Bundesmigrationsausschuss) betonte in seinen Beiträgen, wie stark die Spaltung zwischen für den Arbeitsmarkt „nützlichen“ und „nutzlosen“ Migranten von Politik und Medien vorangetrieben wird. Geflüchtete aus Kriegsgebieten werden vermehrt abgeschoben, während Deutschland zur gleichen Zeit neue Anwerbeabkommen, über die Arbeitskräfte nach Deutschland kommen sollen, mit Staaten wie z.B. Kenia abschließt. Gleichzeitig berichtete As inwiefern Rassismus in den Betrieben um sich greift und aufgrund der Existenzangst vieler deutscher Arbeiter rassistische Vorurteile auf fruchtbareren Boden fallen. Dies drückt sich darin aus, dass 38 Prozent der Arbeiter bei der letzten Bundestagswahl die AfD wählten. As sagte, es gibt eine „krasse existenzielle Bedrohung und einfach keine Antwort darauf“. Dies ist die aktuelle Lage in Gewerkschaft und Betrieb. Die rechtsextreme Zentrum-„Gewerkschaft“ bereitet sich derweil auf die anstehenden Betriebsratswahlen vor und könnte ihre Mandate vervielfachen. As betonte, dass Kampagnen der Gewerkschaft gegen Rechts nichts bringen, wenn die Tarifabschlüsse schlecht sind und kaum etwas gegen Werksschließungen getan wird, das müsse sich ändern. Karin Haas (GEW Hamburg) betonte, inwiefern das Bildungssystem zur ideologischen Vorbereitung von Kindern und Jugendlichen auf die Gesellschaft dient und wie schon hier Jugendliche nach Geldbeutel der Eltern und Nachnamen selektiert werden. Die Rolle von Lehrkräften sei es auch, dem entgegenzuwirken und sich gegen den Mythos der politisch „neutralen“ Lehrkraft zu stellen. Bafta Sarbo (Autorin und Sozialwissenschaftlerin) berichtete von einem Wandel innerhalb der antirassistischen Bewegung der letzten Jahre. Insbesondere die jüngere Generation habe mittlerweile erkannt, dass das Thema Rassismus mit dem Kapitalismus und der Klassengesellschaft verknüpft werden muss und nicht allein durch beispielsweise, einer diverseren oder sensibleren Sprache gelöst wird. Dabei sollte man sich das Argument des nützlichen Migranten nicht zu eigen machen. Insbesondere unter Linksliberalen ist die Argumentation „Aber wer macht dann die Toiletten sauber?“ beliebt, wodurch sich zwar gegen Abschiebungen ausgesprochen wird, die Schlechterstellung von Migranten auf dem Arbeitsmarkt aber nicht angegangen wird.
Die Podiumsteilnehmenden waren sich einig, dass insbesondere die gemeinsame Organisierung von Kolleginnen und Kollegen in Betrieb und Gewerkschaft und der gemeinsame Kampf essentiell sind, um rassistische Vorurteile abzubauen und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für alle zu erkämpfen. Dies wurde mit zahlreichen Beispielen aus dem Publikum belegt. Das nun die Zweite Migrationskonferenz, mit noch mehr Teilnehmenden stattfinden konnte, ist ein Signal dafür, wie wichtig dieses Veranstaltungsformat und die besprochenen Themen sind. In Zeiten ständig neuer Asylgesetze, wie die neu beschlossene Abschiebung in Drittstaaten und der anhaltenden Hetze gegen Migranten, ist es umso wichtiger, zusammenzukommen und zu besprechen, wie man diesen Entwicklungen gemeinsam entgegenwirken kann. Die nächste Migrationskonferenz ist für kommendes Jahr geplant.
