Merz nennt mich kleiner Pascha und dann soll ich trotzdem an die Front

Laut Verteidigungsminister Pistorius fehlen mindestens 60.000 Soldaten um die Bundeswehr kriegstüchtig zu machen. Diese Lücke muss nun gefüllt werden, dafür werden auch explizit Jugendliche mit Migrationshintergrund angeworben. Und das, obwohl die Bundeswehr nicht gerade dafür bekannt ist, besonders „inklusiv“ zu sein. Ganz im Gegenteil, Probleme mit rechten Strukturen und Rechtsextremismus sind schon immer ein Problem.

Die Jugend soll an die Waffe, vorne dabei jene, die sich ein Studium, einen Führerschein und eine abgesicherte Zukunft nicht mehr leisten können. Während die Bundeswehr mangelnde Berufschancen und stetigen Sozialabbau als Rekrutierungsstrategie nutzt, wächst der Druck auf junge Menschen. Wir erleben eine Militarisierung in allen Lebensbereichen, die dort ansetzt, wo Perspektiven fehlen. 

Rechtsextremismus in der Bundeswehr

Allein im Jahr 2024 wurden 97 Bundeswehrangehörige aufgrund rechtsextremer Vorfälle entlassen, dazu kamen 280 Verdachtsfälle, so viele wie in keiner anderen Berufsgruppe. Wiederholt werden auch Waffen, Munition oder andere Materialien gestohlen, die später in einigen Fällen bei rechten Gruppen wieder auftauchen. So wie im Jahr 2020, in dem eine Razzia bei der rechtsextremen Gruppe „Nordkreuz“ Waffen und rund 55.000 Schuss Munition aus Polizei und Bundeswehrbestand sicherstellte. Zusätzlich berichten Soldaten mit Migrationshintergrund immer wieder von Rassismuserfahrungen innerhalb der Bundeswehr.  

Solche Vorfälle machen deutlich, dass rechtsextreme Strukturen in der Bundeswehr ein ernstzunehmendes Problem darstellen. Diese strukturellen Probleme sind kein Nebenschauplatz, sie stehen in direkter Verbindung damit, dass die Bundeswehr und Politik gezielt auch Jugendliche mit Migrationshintergrund ansprechen will.

Perspektivlosigkeit als Rekrutierungsstrategie 

Denn Jugendliche mit Migrationshintergrund stellen eine besonders attraktive Zielgruppe dar. Es wird gezielt versucht, sie durch ihre Perspektivlosigkeit in die Arme der Bundeswehr zu drängen, dadurch, dass sie teilweise besonders von Armut betroffen sind. 

Zum Beispiel zeigt eine Studie aus 2024 vom Statistischen Bundesamt, dass die Armutsgefährdungsquote bei Kindern aus Familien mit Einwanderungsgeschichte bei 31,9 Prozent lag, im Vergleich zu 7,2 Prozent bei Kindern ohne Einwanderungsgeschichte. Gleichzeitig sehen sie sich ungleichen Chancen in Bildung und Beruf ausgesetzt und sind verstärkt von den sozialen Kürzungen betroffen, wenn an Bildung, Jugendzentren und Freizeitangeboten gespart wird. Das sich also viele (migrantische) Jugendliche das alltägliche Leben immer weniger leisten können, machen sich Politik und Bundeswehr zu nutzen. Armut und Perspektivlosigkeit werden also bewusst von der Politik ausgenutzt: Jugendliche werden lediglich als verwertbare Ressource angesehen, die dann genutzt werden können, wenn es gerade in die Agenda passt, wie als Kanonenfutter an der Front. 

So erklärte auch Pistorius schon 2023 bei einem Besuch in einem Karrierecenter der Bundeswehr in Stuttgart: „Wir haben viele viele Millionen Menschen in Deutschland, die in zweiter, dritter Generation hier leben, ja eine Migrationsgeschichte haben, die den deutschen Pass haben und die wir nicht gewinnen für die Bundeswehr derzeit aus unterschiedlichen Gründen.“

Ganz nach dem Motto: fürs Stadtbild nicht gut genug, aber um für deutsche Profitinteressen zu sterben, reicht es?

Ein weiterer Grund für die Rekrutierung Jugendlicher aus zweiter oder dritter Generation sind sprachliche und kulturelle Kompetenzen, die sich die Bundeswehr in Auslandseinsätzen zu nutzen machen könnte. Zudem sprach CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter davon, dass ein möglicher Anreiz für den Wehrdienst sein könnte, im Anschluss den deutschen Pass zu erhalten. Gleichzeitig betonte er, ein Wehrdienst könne auch noch „Integration fördern“. 

Doch von welcher Art Integration ist hier eigentlich die Rede?

Solche Vorschläge nutzen die Not vieler Menschen aus und untergraben das Recht auf ein sicheres Leben eines jeden Menschen in doppelter Hinsicht. Zum einen werden Menschen in prekären Lebenslagen unter Druck gesetzt. Zum anderen wird die Integration benutzt, um eine rassistische Erzählung zu bedienen: das Bild der „unintegrierten Migranten“, die Deutschland etwas schuldig wären und diese nun durch den Wehrdienst begleichen können. 

Die Botschaft dahinter ist ganz klar: Integration beginnt da, wenn du bereit bist, für Deutschland an der Waffe zu sterben, anstatt über echte Integration von Seiten des Staates zu sprechen, also zum Beispiel durch gleiche Chancen in Bildung, Arbeit und Wohnungsmarkt zu schaffen. Damit wird klargemacht, Integration bedeutet hier nicht Teilhabe und Gleichberechtigung, sondern Verwertbarkeit von Menschen im Interesse der Profite.

Es lässt sich also festhalten: Die Bundeswehr wirbt auch gezielt um Jugendliche mit Migrationshintergrund, um Deutschlands Traum, die stärkste Armee Europas zu werden, durchsetzen zu können. Gleichzeitig sehen wir, dass die Bundeswehr von rechten Strukturen durchsetzt ist und nicht für unsere Interessen kämpft, die Interessen der Jugend. Somit bietet der Dienst an der Waffe keine Grundlage für eine sichere Zukunft. Für niemanden.

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