Ein Gastartikel von Emma von Fridays for Future Hanau
Seit 1978 wird in Mittelhessen die Autobahn A49 geplant. Eine Trasse soll Kassel mit Gießen verbinden und südlich des Waldgebiets bei Gemünden im Vogelsbergkreis an die Autobahn A5 angeschlossen werden. Deswegen wird sie laut Bauplan durch den Dannenröder Forst, den Herrenwald und den Maulbacherwald führen. Dies wurde vom Bundesverwaltungsgericht genehmigt.
Der Dannenröder Forst
Innerhalb der aktivistischen Kreise nennt man den Dannenröder Forst auch Danni. Er ist fast 300 Jahre alt und soll nun zu Zeiten der globalen Klimakrise für eine Autobahntrasse gerodet werden. Doch mittlerweile gibt es neue Richtlinien zum Schutz des Grundwassers, der Artenvielfalt und der Wälder in Europa. Um diese einzigartigen Mischwälder zu schützen, sind über 100 Menschen seit Oktober 2019 in die Wälder gezogen. Aber nicht nur Aktivist:innen aus Deutschland und Europa setzen sich für den Erhalt der Wälder und einen Baustopp eines 37 km langen „Lückenschlusses“ ein, viele Anwohner:innen aus Dannenrod und umliegenden Dörfern kämpfen seit vier Jahrzehnten für diese drei gesunden Wälder und arbeiten mit Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, NABU und BUND zusammen. Hierfür finden regelmäßig Demonstrationen in verschiedenen Formen wie Sitzblockaden, Fahrraddemos über Autobahnen, Mahnwachen und Kundgebungen in verschiedenen Städten statt.
Die Aktivist:innen in den Wäldern sind sauer, frustriert und enttäuscht. Sie können nicht verstehen, warum der Verkehrsminister dieses Dinosaurier-Projekt nicht abbricht, denn dafür sollen 85 Hektar Waldfläche gerodet und 123 Hektar mit Asphalt versiegelt werden. Es kann und darf nicht die Lösung sein, eine Autobahntrasse durch einen gesunden Wald zu ziehen, der auch noch Wasser für halb Hessen speichert, mit dem Argument der Lärmentlastung für umliegende Dörfer, durch die die LKWs und Autos momentan fahren. Denn mehr Autobahn bedeutet auch mehr Verkehr, mehr Verkehr bedeutet logischerweise mehr Lärm und mehr CO2 Emissionen.
Demokratisch gefällte Bäume
Die Tatsache, dass so viele Menschen unterschiedlichen Alters in Wälder ziehen und dort Baumhäuser und Gesellschaftsstrukturen aufbauen, um einen Wald vor seiner Zerstörung zu retten, zeigt die Dringlichkeit der Verkehrswende und die Besorgnis der Menschen. Dazu kommt, dass die Klagen von Umweltschutzorganisationen wie BUND und NABU vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen und scheinbar nicht ernst genommen werden. Um die Klagenden zu beruhigen, soll ein neues wasserrechtliches Gutachten erstellt werden, doch das wird wohl kaum zum gewünschten Ergebnis führen. Bereits vor ein paar Jahren klagte der BUND, weil mit dem Ausbau europäischen Wasserrahmenrichtlinien zuwidergehandelt wird. Des Weiteren weist er auf die Zerstörung von europäischem Naturschutzgebiet (Herrenwald) hin. Doch der 9. Senat des Verwaltungsgerichts wies die Klage ab, denn es bestünde schließlich Baurecht und sowieso sei alles mit ganz strengen Richtlinien belegt worden. Um den Wahnsinn komplett zu machen, ist auch bei der jetzigen Klage von BUND und NABU der 9. Senat zuständig. Ein anderes Ergebnis als zuvor ist daher nicht zu erwarten. Man könnte meinen, die Bundesregierung und das Bundesverwaltungsgericht kümmern sich nicht um die zunehmende Umweltverschmutzung in Deutschland.
Sicherheit von Schnelligkeit
Die hessische schwarz-grüne Landesregierung erntet durch dieses Verhalten momentan starke Kritik. Aber natürlich ist sie nicht allein in der Verantwortung, denn das letzte Wort hat immer noch Verkehrsminister Andreas Scheuer. Sogar die Grüne Jugend distanziert sich von ihrer Mutterpartei und lässt sich im Danni von der Polizei räumen. Auch die Presse wird immer neugieriger und kommt in den Dannenröder Wald. Dort wird sie Zeuge der unverhältnismäßigen Polizeigewalt und beginnt zu erkennen, dass die Aktivist:innen im Wald nicht einfach nur Faulenzer sind, die keine Lust haben zu arbeiten oder zur Schule zu gehen, sondern Menschen, die Grund zur Sorge haben. Selbst parlamentarische und kirchliche Beobachter:innen werden geschubst und mit Schlagstöcken geschlagen. Pressefreiheit wird bei den Einsatzkräften auch nicht sonderlich großgeschrieben, da der Sperrbereich oft so groß angelegt wird, dass sie nichts mitbekommen können und auf „Sicherheit vor Schnelligkeit“ wird auch schon längst nicht mehr geachtet.
Im November sind an drei Tagen hintereinander Aktivist:innen aus mindestens vier Meter Höhe zu Boden gefallen, da Polizisten Sicherungsseile von Traversen, Plattformen, etc. mutwillig durchschnitten. Ein Mensch musste sogar auf Grund der Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die meisten Aktivist:innen, die geräumt wurden und die Angabe ihrer Identität verweigerten, wurden in Gefangenen-Sammelstellen gebracht und auf dem Weg dorthin ausgelacht und schikaniert. Die meisten landen in der JVA in Frankfurt, wo mittlerweile wöchentlich Solidaritätsaktionen stattfinden.
Unsere Forderungen
Wie kann es sein, dass Menschen, die sich für ihre Zukunft und zukünftige Generationen einsetzen unter anderem als linke Zecken und Öko-Terroristen bezeichnet werden? Viele Menschen tun so, als hätten wir etwas Gravierendes nicht verstanden, dabei sind wir doch diejenigen, die den Ernst der Lage erkennen und darauf aufmerksam machen wollen! Wir sind diejenigen, die die Klimakrise wahrnehmen, auch wenn sie uns in Deutschland bis jetzt noch nicht so stark getroffen hat. Wir machen es uns nicht einfach und schauen weg! Wir setzen uns für Klimagerechtigkeit, Umweltschutz und nachhaltiges Handeln ein. Das Auto war vielleicht früher das Fortbewegungsmittel schlechthin. Doch heute ist das nicht mehr der Fall, denn wir wissen, dass die Abgase der Autos und der LKWs unsere Luft verpesten und somit der Natur und uns Menschen schaden. Es ist also logisch, dass dies nicht die Zukunft sein kann. Es wird Zeit, dass der Schienenverkehr und der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut und gefördert werden.
Autos dürfen nicht länger unser Bild von Mobilität in der Zukunft bestimmen! Die Verkehrswende kann keinen weiteren Tag und keinen weiteren Baum mehr warten!
