Auch dieses Jahr fand vom 19. bis zum 20. August 2025 die größte Spielemesse der Welt in Köln statt und wurde von Tausenden besucht. Die Gamescom – eine Veranstaltung, bei der hungrige Gamer ganz auf ihre Kosten kommen und Entwickler die Möglichkeit haben, für ihre Produkte zu werben. Ich hatte das Glück, mir das dieses Jahr anzuschauen und einen tieferen Einblick in die Spielemesse bekommen zu können.
Mit moderater Euphorie ist mir aufgefallen, dass neben den üblichen Ständen wie Call of Duty, Battlefield oder auch Pokémon noch ein anderer Stand sehr präsent und laut war – die Bundeswehr. Für mich persönlich hatte es etwas Zynisches, von Halle 7, wo Gamer aufgeregt den neuen Ableger von Call of Duty erwarteten und über die neuen Waffen, Granaten und Gefechtskarten staunten, dann plötzlich vor der Bundeswehr zu stehen. Diese haben weder Kosten noch Mühen gescheut, besonders „cool“ zu wirken. Ich selbst gehörte auch zu den Gamern, die unzählige Stunden in „Shooter“-Spiele investiert haben, und habe es gehasst, wenn andere Parallelen zwischen den Spielen und der Realität gezogen haben. Genau deshalb aber sind mir sofort mehrere Sachen aufgefallen, die ich gerne in diesem Artikel teilen möchte.
Zuerst einmal gehe ich davon aus, dass es kein Zufall ist, dass die Bundeswehr ausgerechnet dort ist, wo Gamer die Möglichkeit haben, auf verschiedene Art und Weise große Schlachten oder auch kleinere Gefechte nachspielen zu können, die technisch wirklich gut inszeniert sind. Das Spielen an den Konsolen wird dabei natürlicherweise als sehr cool wahrgenommen, und ein ungutes Gefühl sagte mir, dass die Bundeswehr in Versuchung geraten könnte, genau das auszunutzen. Bereits bevor ich dort ankam, sah ich, wie sich eine Menschentraube vor der kleinen Bühne bildete. Männer in voll ausgestatteter Uniform repräsentierten hierbei die Bundeswehr; Frauen waren nicht da. Die Mission für diese Männer war klar: so cool und so männlich wie nur irgendwie möglich erscheinen. Um ehrlich zu sein, unterschieden sie sich nicht besonders von den imaginären Charakteren, die man selbst auf der Messe spielen konnte: Sie sagten kein Wort und bewegten sich kaum, glichen mehr Schaufensterpuppen. Direkt daneben entdeckte ich eine Stange, an der Klimmzüge gemacht werden konnten. Weil diese an sich aber nichts mit der Bundeswehr zu tun hatte und das noch nicht sportlich und männlich genug war, konnte man die Klimmzüge mit einer schweren Weste (vermutlich kugelsicher) machen und wurde währenddessen bejubelt. Mir wurde hier sehr deutlich gezeigt, wie durch die Verbindung von Sport und Männlichkeit versucht wurde, das Image der Bundeswehr ebenfalls als besonders cool und männlich darzustellen. Ganz nach dem Motto: „Schau mal, was für krasse Typen hier sind und wie stark und männlich sie sind. Komm zu uns, werd genau so“ sprudelte es mir entgegen, während ich mich der anderen Seite der Bühne näherte. Hier hat man die Stimmung des fast ausschließlich jungen und männlichen Publikums anders angeheizt – mit Give-aways. Plötzlich zurück in den Kölner Karneval versetzt, sah ich mit Besorgnis,wie begeistert die Menschenmenge jubelte, um mit Bonbons, Brotdosen und anderen Geschenken beworfen zu werden. Je lauter die Menge, desto mehr wurde verteilt. Die ganze Inszenierung ähnelte sehr stark einer Show, an der natürlich auch ein Moderator beteiligt war, der die Stimmung immer wieder aufs Neue anheizen wollte.
Verständlicherweise waren dort auch Menschen, die nur wegen der Geschenke dort waren und lautstark riefen, aber mit großer Besorgnis konnte ich in den Gesichtern der jungen, teils auch minderjährigen Besucher sehen, wie gut diese Masche funktioniert und wie sich der Eindruck von „Bundeswehr ist schon ziemlich cool“ in den Köpfen breit machte. Dass die Bundeswehr händeringend nach neuen Rekruten sucht, ist mir spätestens nach meinem letzten Döner klar geworden, weil die Werbung jetzt auch auf dem Papier des Dönermannes meines Vertrauens zu finden ist. Es hält mir das ganze Ausmaß der Aufrüstung vor Augen.
Angesichts der momentanen Situation ist es äußerst besorgniserregend, wenn man überlegt, wie viel Geld für „Verteidigung“ ausgegeben wurde, jetzt aber eine aktuelle Diskussion wegen deutscher Soldaten im Ukraine Krieg herrscht. Die Bundeswehr ist seit 2009 bei der Gamescom dabei, das ist also nicht neu. Allerdings war ihre Werbung noch nie so präsent und aggressiv. Ich fuhr mit einem flauen Gefühl im Bauch nach Hause und machte mir in der Bahn Gedanken, ob diese Bundeswehr Erfahrung zukünftig auf einer Spielemesse Normalität wird? Jungen Gamern wird der Krieg jetzt als „Game“ verkauft.
