Scrollen bis zum Brainrot?

Nach Hause kommen und erstmal das Handy checken – als hätten wir nicht schon die Zeit in der Bahn auf dem Nachhauseweg auf TikTok verbracht. Und direkt nach dem Aufstehen, jede Pause am Tag, später im Bett, um dann viel zu spät einzuschlafen. So oder so ähnlich geht es den meisten von uns – unser Handy ist immer da, wo wir sind – dabei vergessen wir schnell die Zeit und die Bildschirmzeit wird immer länger. Was macht das mit uns?

In einer aktuellen Studie warnt das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) vor den Folgen einer exzessiven Social-Media-Nutzung. Neben einer Zunahme von Konzentrationsschwächen, Schlafproblemen und Angststörungen beobachten Forscher*innen eine psychologische Desensibilisierung, also einen Verlust an Empathie und kritischem Reflexionsvermögen. Wir verlernen Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. 

Bildschirmzeit = Unendlich?

Unser Konsum sozialer Medien wirkt dabei wie ein Suchtmittel. Er verändert das Freizeitverhalten und greift tief in Denk- und Gefühlsmuster ein. Die durchschnittliche tägliche Nutzungszeit liegt bei Kindern und Jugendlichen inzwischen bei 150 bis 230 Minuten – also bis zu vier Stunden pro Tag. Befeuert wird dieser Trend durch den Einsatz von KI-gestützten Algorithmen. Plattformen wie TikTok oder Instagram analysieren das Verhalten ihrer Nutzer*innen und liefern personalisierten Content, der möglichst lange fesselt. Was gefällt, wird verstärkt. Was Aufmerksamkeit bindet, wird belohnt. 

Laut Schätzungen des DZSKJ sind über 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und siebzehn Jahren in Deutschland gefährdet, durch den intensiven Gebrauch sozialer Medien ernsthafte Probleme zu entwickeln.

Doch das Problem fängt schon bei den meisten von uns vorher an. Denn unsere Zeit nach der Schule oder der Arbeit ist sowieso schon sehr gering – und oft ist man so müde, dass man allein vor seinem Bildschirm versackt. Statt mit unseren Freund*innen zum Sport zu gehen oder einfach einen Kaffee zu trinken, bleiben wir zu Hause, gucken ein TikTok nach dem nächsten, essen was und gehen schlafen.

Wem nützt das, wenn wir immer weiter scrollen?

Denn die Algorithmen, die uns Content vorschlagen, lenken zugleich unseren Informationsfluss. Auf unseren „For-You-Pages“ oder „Feeds“ erscheint, was der Profit-Logik der Betreiber entspricht: Aufmerksamkeit, Emotion, Bindung. Was Nutzer*innen bei Laune hält, wird gezeigt – kritische Inhalte laufen Gefahr, einen Shadow Ban zu bekommen. Deshalb werden politische Inhalte zensiert oder durch Deregulierung verzerrt. Die Entscheidungskraft liegt bei den Konzernen, denen die Plattformen gehören, und so finden rechte Inhalte häufig leichter Gehör.

Kooperationen zwischen Staaten und Konzernen wie Meta oder X zeigen, wie soziale Medien zur strategischen Steuerung der öffentlichen Meinung genutzt werden können. Davon profitieren Tech-Milliardäre wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg, die mit unserer Aufmerksamkeit Milliarden verdienen.

Das zeigt uns: Wenn wir immer weniger Zeit mit anderen Menschen verbringen, schadet das in erster Linie uns selbst. Wir fühlen uns immer einsamer, während gleichzeitig mit jeder Minute, die wir auf TikTok verbringen, Millionen verdient werden.

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