„How to organize your school“

Unsere Schulen sind der Ort, an dem wir als Schüler jeden Tag zusammenkommen. Egal ob in den Pausen oder nach der Schule vor’m Edeka, hier schnacken wir über alles und jeden. Genau deshalb ist die Schule auch der wichtigste Ort, wenn wir uns als Schülerinnen und Schüler organisieren wollen. Wenn wir viele von unseren Mitschülern erreichen wollen, dann dort, wo wir ohnehin alltäglich zusammen sind.

In Hamburg waren am 05.12.2025 über 50 Schulen auf der Straße, um gegen das neue Wehrdienstgesetz zu protestieren, das zeitgleich von der Regierung beschlossen wurde. Das kam nicht zufällig, sondern durch gezielte Organisation an den einzelnen Schulen.

Schritt 1. Streikkomitee bilden

Um so viele Schüler zum Streiken zu bringen, braucht es klare Strukturen. Der erste wichtige Schritt ist die Bildung eines Streikkomitees. Ein Streikkomitee ist eine Gruppe von Schülern, die gemeinsam die Organisation übernehmen, damit nicht alles an einer einzelnen Person hängen bleibt. Wenn man bereits Leute kennt, die über den Streik Bescheid wissen und bereit sind mit zu organisieren, kann man direkt anfangen. Gleichzeitig ist es wichtig, allen Schülern die Möglichkeit zu geben, sich dem Streikkomitee anzuschließen.

Ein zentraler Teil der Organisation ist es, Mitschüler direkt zu informieren. Wir haben dafür den Kontakt zu Lehrkräften gesucht, die uns erlaubt haben, ab Klasse 8 durch die Klassen zu gehen. In diesen kurzen Besuchen haben wir erklärt, worum es bei dem neuen Gesetzesentwurf geht, warum er uns als Schüler betrifft und dass ein Streik geplant ist. Solche fünfminütigen Info-Besuche im Unterricht funktionieren besonders gut bei Lehrern, von denen man weiß, dass sie entweder eine ähnliche Meinung teilen oder zumindest unterstützen, dass Schüler über politische Entscheidungen informiert werden, die ihre Zukunft betreffen.

Wenn es keine solchen Lehrkräfte gibt, heißt das nicht, dass Organisation unmöglich ist. Dann ist es umso wichtiger, andere Wege zu finden, um Schüler zu erreichen. Das können Durchsagen mit einem Megafon in den Pausen sein, Infostände auf dem Schulhof, Vollversammlungen oder Gespräche vor und nach dem Unterricht. Lehrkräfte und Schulleitungen sind dabei manchmal entspannter und manchmal weniger, aber sie sind nicht grundsätzlich unsere Gegner. Wichtig ist, selbstbewusst aufzutreten und klarzumachen, dass es um Information und politische Beteiligung von Schülern geht.

Schritt 2. An Stadtweiten Streikkomitee Treffen teilnehmen

Neben der Arbeit an der eigenen Schule ist es entscheidend, sich mit anderen Schulen zu vernetzen. In vielen Städten gibt es stadtweite oder regionale Streikkomitees. Auch in Hamburg, waren wir zur Streikplanung an verschiedenen Hamburger Komiteetreffen, wo wir uns mit anderen Schulen austauschen konnten. Dort werden Termine abgestimmt, Materialien geteilt und Aktionen koordiniert. Diese Treffen sorgen dafür, dass aus vielen einzelnen Schulen eine gemeinsame Bewegung wird und Schulen, bei denen die Streikplanung nicht so einfach ist, noch mehr Unterstützung bekommen.

Schritt 3. Infostände, Flyer und Aktionen

Infostände, Flyer und kleinere Aktionen spielen ebenfalls eine große Rolle. Mit Flyern lassen sich die wichtigsten Informationen schnell in der Schule verbreiten, Infostände bieten Raum für Gespräche und Fragen. Auch gemeinsames Plakatmalen oder das Vorbereiten von Bannern kann helfen, mehr Schüler einzubeziehen und den Streik sichtbarer zu machen. Solche Aktionen senken die Hemmschwelle mitzumachen und zeigen, dass man nicht allein ist.

Wir haben mehrere Infostände vor der Schule gemacht, haben da jedem einen Flyer in die Hand gedrückt und sind nicht nur mit Mitschülern, sondern auch mit Eltern und Lehrern ins Gespräch gekommen.

Der Kontakt zur Schulleitung gehört ebenfalls zur Organisation dazu, auch wenn er oft Überwindung kostet. Dabei geht es nicht darum, sich eine Erlaubnis für den Streik zu holen, sondern die Schule zu informieren, mögliche Konflikte frühzeitig zu klären und zu zeigen, dass viele Schüler beteiligt sind. 

Schritt 4. Info Treffen

Zusätzlich zu all dem ist es sinnvoll, offene Info Treffen zu organisieren, zum Beispiel nach der Schule oder in Freistunden. Dort können sich interessierte Schüler treffen, Fragen stellen, Aufgaben übernehmen und Teil des Streikkomitees werden. Solche Treffen stärken den Zusammenhalt und sorgen dafür, dass die Organisation auf mehrere Schultern verteilt wird.

Schritt 5. Social Media und Klassengruppen

Ein weiteres zentrales Werkzeug ist Social Media. Klassengruppen, Messenger Chats und Social-Media-Plattformen helfen dabei, Informationen schnell zu verbreiten. Dort haben wir Treffpunkte, Uhrzeiten und kurzfristige Updates geteilt. Gerade am Streiktag selbst ist das wichtig, damit alle wissen, wo sie sein sollen und was passiert.

All diese Schritte zusammen haben uns am 05.12. gezeigt, was strukturierte Organisation an unseren Schulen bewirken kann. Wenn wir unsere Schulen als politischen Ort begreifen und uns dort zusammenschließen, können wir uns auch in Zukunft als Schülerinnen und Schüler sichtbar machen und uns eine Stimme geben.

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