Nachdem wir in der letzten Lautschrift Ausgabe darüber geschrieben haben, wieso wir an unseren Universitäten und Hochschulen aktiv werden müssen und dazu auch die gegebenen Gremien nutzen sollten, haben wir nun genau das an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg getan! Während wir bereits seit Anfang 2023 an der HAW aktiv sind, sind wir nun erstmals zu den Wahlen zum Studierendenparlament angetreten!
Aber wieso eigentlich nochmal?
Das Studierendenparlament (StuPa) wird an der HAW jährlich gewählt und ist die offizielle studentische Vertretung. Die Vertreter im StuPa wählen dann wiederum den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), dieser fungiert als eine Art Regierung. Diese Gremien wurden sich erkämpft, um die (hochschul-)politischen Interessen der Studierenden zum Ausdruck zu bringen und die Organisierung dieser voranzutreiben.
So viel zur Theorie. In der Praxis fühlen sich zumindest an unserer Hochschule allerdings die wenigsten unserer Kommilitonen vom StuPa vertreten, einige haben noch nie davon gehört. Dies spiegelt sich wider in geringen Wahlbeteiligungen, auch diese gilt es zu verändern.
Unsere Forderungen
Den Beginn unserer Kandidatur bei der diesjährigen StuPa-Wahl machten wir mit der Aufstellung einer Liste von Kandidierenden und dem Verfassen eines Wahlprogramms. Insgesamt beschlossen 20 aktive Mitglieder und Kommilitonen, für unsere Forderungen auf unserer Liste anzutreten. Dazu gehörten die Probleme an unserer Hochschule, wie das massive finanzielle Defizit, welches dazu führt, dass Tutorien und Professuren gestrichen werden. Wir forderten, dass die jüngst angekündigten Erhöhungen der Mieten in Studierendenwohnheimen in Hamburg von über 10 % zurückgenommen werden müssen. Das Gleiche gilt für ständige Preiserhöhungen vom Semesterbeitrag und in der Mensa. Wir haben uns auch für den Erhalt der Zivilklausel, also des Verbots von militärischer Forschung, an unserer Hochschule ausgesprochen. Außerdem haben wir gefordert, dass im Gegensatz zu Bundesländern wie Berlin, wo Studierende seit kurzem wegen politischer Äußerungen viel leichter exmatrikuliert werden können, bei uns die Meinungsfreiheit erhalten bleibt!
Der Wahlkampf
Mit dieser langen Kandidatenliste und einem Programm im Rücken, mit dem wir für die Interessen von uns als Studierenden kämpfen wollen, gingen wir in den Wahlkampf. Durch Reden und das Verteilen von Flyern erreichten wir hunderte unserer Kommilitonen und konnten auch mit vielen ins Gespräch kommen. Auch in den Gesprächen mit erst wenig Interesse wurde oft schnell deutlich, dass unsere Forderungen die Probleme unserer Kommilitonen aufgreifen und ansprechen. Und auch bei weiteren Verteilaktionen, bei Ständen und in der Mensa kamen wir über die Forderungen ins Gespräch und konnten auch einige direkt zur Wahl überzeugen. Es zeigt sich, dass vor allem der Geldmangel und dadurch marode Gebäude für viel Frust bei unseren Kommilitonen sorgen und daher unsere Forderung für eine vollständig öffentlich ausfinanzierte Hochschule die richtige ist! Und auch eine zweite Prüfungsphase, also die Möglichkeit innerhalb einer Prüfungszeit zwei Termine zu haben, an denen eine Prüfung geschrieben werden kann, ist ein großes Anliegen vieler. Dass die Mieten in Hamburg viel zu hoch sind, da waren sich wirklich alle einig.
Außerdem veranstalteten wir ein Lesetreffen zum Lautschrift-Artikel „Ein Angriff uns Alle“ zum Arbeitskampf bei VW. Mit Fahrzeug- und Flugzeugbaustudierenden diskutierten wir darüber, wie die drohenden Massenentlassungen und Lohnkürzungen auch uns Studierende treffen, die später in der Branche arbeiten und was wir bereits an der Hochschule tun können, um die Streikenden zu unterstützen. Diese Solidarität wollen wir auch ins StuPa tragen, wie wir es bereits an der Universität Hamburg zum Beispiel mit einem Aufruf zur gewerkschaftlichen 1.-Mai-Demonstration und einem Antrag zur Solidarisierung mit den Kampf Arbeiter in der Metall- und Elektroindustrie getan haben.
Das Ergebnis und was wir daraus machen
Am Freitagabend der Wahlwoche war es dann klar: Wir haben 26 % Prozent aller Stimmen bekommen und haben als zweitstärkste Kraft nun sieben Sitze im StuPa unserer Hochschule. Trotz der geringen Wahlbeteiligung von fünf Prozent haben wir insgesamt fast 300 Stimmen erhalten!
Auf diesem Erfolg werden wir uns natürlich nicht ausruhen. Ab März haben wir die Möglichkeit, einen neuen AStA zu wählen, über den Einsatz von mehr als 300.000 € pro Semester, über die StuPa und AStA verfügen, mitzuentscheiden, sowie Anträge einzubringen. Unser Ziel ist es mit allem, was wir im StuPa tun, die Kämpfe die wir als Studierende an der Hochschule, aber auch als arbeitende und lernende Jugend im Hamburg führen, zu stärken und die Organisierung der Studierendenschaft voranzutreiben, um tatsächlich etwas an unserer Hochschule verändern zu können!
