Vom Hörsaal bis zu Baustelle kämpfen wir Gemeinsam!

„Wir planen die Stadt – Aber wer baut sie?“ – Unter diesem Titel haben wir als Hochschulgruppe des IJV an der HafenCity Universität mit der Gewerkschaftsjugend junge BAU Hamburg Mitte Dezember eine gemeinsame Veranstaltung organisiert. Zusammen mit über 60 jungen Arbeitern, Gewerkschaftern und Studierenden haben wir in einem Hörsaal der HafenCity Universität, an der unter anderem Architektur, Stadtplanung und Bauingenieurwesen gelehrt wird, über die Probleme der aktuellen Stadtentwicklung und die schlechten Arbeitsbedingungen auf den Baustellen diskutiert.

Kapitalistische Stadtentwicklung

Die Folgen der kapitalistischen Stadtentwicklung spüren wir jeden Tag. Die Mieten schießen immer weiter in die Höhe und vor allem wir junge Menschen, Studierenden und Azubis sind davon besonders betroffen. Viele können sich ein WG-Zimmer in der Stadt, das in Hamburg durchschnittlich 620 € kostet, nicht mehr leisten. Aber warum steigen die Mieten so extrem? Entscheidend dafür sind die in den letzten Jahrzehnten rasant steigenden Bodenpreise innerhalb der Städte. Mit ihnen erhöht sich auch der Profitdruck auf Gebäude, die auf diesen Grundstücken stehen. Denn Gebäude werden in aller Regel errichtet, um durch Vermietung oder Verkauf einen Profit mit ihnen zu erzielen. Zur Sicherung der Profite muss den steigenden Kosten durch höhere Bodenpreise also auch größere Einnahmen durch steigende Mieten begegnet werden. Am Beispiel der HafenCity in Hamburg – ein riesiges Stadtentwicklungsprojekt, das vor allem sehr teure Wohnungen und Büros beinhaltet – ist gut zu erkennen, wie eine kapitalistische Entwicklung der Städte nur den Interessen der Investoren an ihrem Profit und nicht den Bedürfnissen der Bewohner:innen der Stadt dient.

Miserable Arbeitsbedingungen auf dem Bau

Die Jagd nach Profiten bestimmt aber nicht nur darüber was, sondern auch zu welchen Bedingungen gebaut wird. Um die Kosten auf der Baustelle zu senken und die Arbeitsintensität zu erhöhen, herrscht auf dem Bau eine schlechte Bezahlung der harten Arbeit, ein hohes Gesundheitsrisiko sowie hoher Zeitdruck. Verletzungen und Unfälle gehören dabei zum Alltag. Statt den Fachkräftemangel, der aus diesen unattraktiven Arbeitsbedingungen hervorgeht, durch die Behebung dieser Probleme zu lösen, wird von den Bauunternehmen auf billige Arbeitskräfte aus dem Ausland gesetzt. Verwirrende Subunternehmerstrukturen ermöglichen dabei illegale Arbeitsverhältnisse auf Deutschlands Baustellen. Eine Bezahlung unter dem Mindestlohn, unmenschliche Wohnverhältnisse und verehrende Unfälle sind dabei leider keine Seltenheit. So starben im vergangenen Jahr aufgrund von mangelndem Arbeitsschutz fünf Bauarbeiter bei einem Unfall auf einer Großbaustelle in direkter Nachbarschaft zur Hafencity Universität.

Studierende und Arbeiter Hand in Hand

Die gemeinsame Veranstaltung des IJV und der Gewerkschaftsjugend an der Uni hat uns die wertvolle Möglichkeit geboten, als Arbeiter und Studierende miteinander zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Sehr häufig fehlt dieser Kontakt und der Bezug zueinander. Das liegt unter anderem daran, dass die Bedingungen auf der Baustelle in den Lehrinhalten der Uni nicht vorkommen und es Studierenden meist aufgrund von zu kurzen und zweckentfremdeten Praktika an Baustellenerfahrungen fehlt. Durch die Diskussionsbeiträge können wir untereinander ein besseres Verständnis für die Situation des anderen entwickeln und unseren Zusammenhalt stärken. Denn obwohl wir unterschiedliche Tätigkeiten ausüben, die einen planen und die anderen führen aus, sind wir beide Teil desselben Produktionsprozesses und teilen gemeinsame Interessen.

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