Deshalb machen wir unsere eigene Presse

Um uns herum passiert ständig etwas. Als ich heute Morgen aufgewacht bin, vibrierte mein Handy sofort: Bei VW gibt es wieder Warnstreiks. Gut so. Gleichzeitig werden Asylanträge von Syrer:innen vorerst ausgesetzt. Die CDU will die Rückkehr von Geflüchteten „erleichtern“ – ich vermute, das heißt, dass sie mehr Menschen abschieben wollen. Ein kurzer Blick auf die Uhr: Fünf Minuten kann ich noch liegen bleiben…

Nachrichten sind überall. Push-Benachrichtigungen auf dem Handy, im Fernsehen, auf Instagram, TikTok oder X. Selbst beim Kiosk springt mir die neueste BILD-Schlagzeile ins Auge. Viele behaupten, wir Jüngeren würden keine Nachrichten mehr lesen. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 84 % der 14- bis 29-Jährigen informieren sich laut Mediengewichtungsstudie 2023 über aktuelle Geschehnisse. Was wir täglich lesen, hat Einfluss auf uns. Aber wie objektiv berichten die Medien wirklich? Ein Blick auf die Medienlandschaft klärt auf.

Was sie sagen – und was wirklich passiert.

Anfang November fand ein UEFA-Europa-League-Spiel in Amsterdam statt: Maccabi Tel Aviv gegen Ajax Amsterdam. Rund um das Spiel kam es zu Ausschreitungen. Maccabi-Ultras zogen mit Israelfahnen durch die Stadt, rissen Palästinafahnen herunter, zündeten eine davon an, schlugen Fenster ein und griffen palästinasolidarische Demonstrant:innen an. Diese Fans, bekannt für ihre rechten Positionen, skandierten rassistische Parolen wie: „Warum ist die Schule in Gaza geschlossen? Dort gibt es keine Kinder mehr“ oder „Lasst die IDF gewinnen und fickt die Araber“. Es kam zu Gegengewalt, einige Maccabi-Fans wurden zusammengeschlagen und teils in Grachten, die Kanäle in Amsterdam, gestoßen.

Diese Bilder gingen um die Welt und in den Medien wurde daraufhin von „Pogromartigen Ausschreitungen in Amsterdam“ (Der Standard) geschrieben. In der FAZ hieß es: „Die pogromartigen Übergriffe auf israelische Fußballfans in Amsterdam sollten den Relativierern von Judenhass ein Zeichen sein.“ Und bei der Tagesschau, die „Angriffe auf israelische Fußballfans“ titelte, wurde ein Bild verwendet, auf dem die Maccabi-Fans jemanden angreifen und nicht andersherum. Ohne die Informationen zu prüfen oder die gesamten Ereignisse zu schildern, wurde, ohne zu zögern, eine organisierte Gewalt gegen Juden in Amsterdam herbeigezaubert, obwohl die Ausschreitungen erstmal nichts mit der Religion der Beteiligten zu tun hatten.

Diese einseitige Berichterstattung fügt sich in die allgemeine Stimmung in Deutschland. Palästinasolidarische Stimmen werden immer weiter eingeschränkt, während eine bedingungslose Solidarität mit Israel, dessen Premierminister Netanyahu Kriegsverbrechen vorgeworfen werden, ungebrochen scheint. Und so kamen auch bei den Ausschreitungen rund um das Maccabi-Spiel keine kritischen Stimmen zu Wort.

Zufall? Wohl kaum.

Dass große Medienhäuser die herrschende Politik unterstützen, zeigt sich nicht nur hier. Ein weiteres Beispiel ist die Berichterstattung über Streiks. Bei den Streiks der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr wurden Lokführer:innen der GDL immer wieder schlecht gemacht. Ihre Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und Löhnen wurden als Machtkampf auf dem Rücken der Bahnkund:innen dargestellt. Der damalige GDL-Vorsitzende Weselsky wurde öffentlich für „verrückt“ erklärt. Es dauerte nicht lange, bis in den Medien das Streikrecht an sich infrage gestellt wurde.

Diese Beispiele zeigen: Von Neutralität kann keine Rede sein. Große Medien beziehen klar Stellung – und das zugunsten der herrschenden Politik und gegen die Interessen der Arbeiter:innen, der Jugend und der Friedensbewegung.

Wer dominiert die Medienlandschaft?

Neben den öffentlich-rechtlichen Sendern (ARD, ZDF) bestimmen einige wenige Medienkonzerne rund zwei Drittel des Marktes. Diese Unternehmen verdienen riesige Summen: So erzielte allein Bertelsmann, zu dem u.a. Gruner + Jahr (mit Zeitschriften wie Brigitte und Stern) und die RTL 2 Group (RTL, VOX, CNN) gehören, im Jahr 2023 einen Umsatz von 20 Milliarden Euro. Auch Printmedien spielen weiterhin eine große Rolle: Die BILD wird nach wie vor rund eine Million Mal gedruckt.

Unsere Antwort: Die Lautschrift!

Wenn die großen Medien die herrschenden Verhältnisse stützen, müssen wir dem etwas entgegensetzen. Wir brauchen eine Plattform, die unsere Perspektive – die der arbeitenden und lernenden Jugend – in den Vordergrund stellt. Unsere Aufgabe ist es, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern zu verändern. Deshalb müssen wir es enthüllen, wenn nach Amsterdam davon gesprochen wird, dass organisierte Gewalt gegen Jüd:innen stattgefunden hat. Deshalb müssen wir aufzeigen, dass die Kollegen bei der GDL ein Recht darauf haben, für ihre Arbeitsbedingungen zu kämpfen und zu streiken und dass ihr Kampf auch unserer ist. Wir begleiten die Kämpfe der Arbeiter bei der Deutschen Bahn, bei Volkswagen und im Öffentlichen Dienst, weil es auch unsere Kämpfe sind. Wir berichten über die Klimabewegung, über antirassistische Bewegungen, weil es auch unsere Kämpfe sind.

Und in diesem Zuge beleuchten wir die Aufgaben, die uns als arbeitende und lernende Jugend bevorstehen und bringen die Jugend in Bewegung.

Deshalb machen wir unsere eigene Zeitschrift – Jugend in Bewegung setzen

Unsere eigene Zeitschrift bietet uns die Möglichkeit, schnell und wirksam auf politische Ereignisse zu reagieren. Fünf Jahre nach dem rassistischen Terror in Hanau (mehr dazu auf S. 10), wird immer noch so getan, als würde es sich um einen Einzelfall handeln. Wir können mit unserem Artikel aufzeigen, dass es eben kein Einzelfall ist. Wir schaffen so eine Gegenwirkung gegen die etablierten Medien, die wieder vom x. Einzelfall sprechen. Wir können die Hintergründe offenlegen, Zusammenhänge aufzeigen und Jugendliche mobilisieren. So schaffen wir eine Gegenöffentlichkeit, die nicht nur reagiert, sondern auch Lösungen bietet.

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