„Studieren ohne Stoppuhr“: Protestwelle gegen Maximalstudienzeit feiert Teilerfolg

Wenige Wochen nach Semesterstart lasen wir an der Goethe-Uni in Frankfurt erstmals davon, dass mit einer neuen Studienrahmenordnung eine Maximalstudienzeit eingeführt werden sollte. Im schlimmsten Fall wären Studierende im Bachelor nach dem neunten und im Master schon nach dem sechsten Fachsemester zwangsexmatrikuliert, also aus der Uni rausgeworfen worden. Für die meisten Studierenden war die Novellierung der Rahmenordnung kein Begriff. Doch was von Beginn an klar war: Die Maximalstudienzeit darf nicht kommen! Denn für den Großteil der Studis ist es schlicht nicht möglich, in Regelstudienzeit zu studieren, weil sie gleichzeitig jobben müssen. Deshalb gründeten wir Anfang November die Aktionsplattform „Studieren ohne Stoppuhr“. Das Ziel: Die Maximalstudienzeit überall dort abzuschaffen, wo es sie schon gibt, und sie woanders gar nicht erst einzuführen. 

Den Kampf organisieren – aber wie?

Um das zu schaffen, haben wir zunächst alle Gruppen und Initiativen, von Schachclub über studentische Cafés bis hin zu Fachbereichen und Referaten, angeschrieben, um alle an einen Tisch zu bekommen. Mit „Studieren ohne Stoppuhr“ vernetzten wir uns bereits beim ersten offenen Bündnistreffen mit anderen Hochschulgruppen und Fachschaften. Auch über die Goethe Uni hinaus wurden bundesweit alle Studierendenvertretungen angeschrieben, wodurch Solidaritätsbekundungen weiterer Studierendenvertretungen veröffentlicht und bundesweit für größere Aufmerksamkeit gesorgt wurde. Den Studierendenvertretungen der anderen Hochschulen war klar: Wenn die Einführung der Maximalstudienzeit in Frankfurt gelingen sollte, hätte das Auswirkungen auf die Studienbedingungen bundesweit. Ähnlich wurde im Frankfurter Jugendring argumentiert, in den wir als IJV Frankfurt den Antrag „Solidarität mit den Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt“ einbrachten. Die Frankfurter Jugendverbände sahen es als in Ihrem Interesse an, sich für ein Studium, das für alle unabhängig davon, ob sie nebenbei jobben müssen oder sich ehrenamtlich engagieren möglich ist, einzusetzen und nahmen den Antrag einstimmig an.

In der kurz nach dem Bekanntwerden der Pläne des Präsidiums am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften initiierten Aktionswoche des Zusammenschlusses #NOCUTSATGOETHE gegen Kürzungen, konnten wir gemeinsam mit zahlreichen anderen Gruppen innerhalb von wenigen Tagen viele hundert Flyer verteilen, um auf die drohende Einführung der Maximalstudienzeit sowie die Petition dagegen aufmerksam zu machen. Am 19.11. ging die Aktionswoche in eine Kundgebung mit ungefähr 300 Studierenden vor der Senatssitzung der Hochschule auf. 

Bei der Aktionswoche selbst durfte es allerdings nicht bleiben. Mit Campus Interviews und Statements von verschiedenen Fachbereichen schafften wir auf Social Media Aufmerksamkeit und durch tägliche Präsenz auf dem Campus mobilisierten wir schließlich 600 Studierende zur Vollversammlung am 9. Dezember – Womit wir den Beteiligungsrekord an einer studentischen Vollversammlung in Frankfurt in mehreren Jahrzehnten brachen.

Welchen Kampf führen wir als Nächstes?

Dank Aktionswoche und Vollversammlung haben wir einen ersten sehr wichtigen Teilerfolg erzielt: Das Präsidium der Goethe-Uni wird die Maximalstudienzeit nicht für alle verpflichtend einführen. Wir spüren, was der gemeinsame Kampf bewirken kann. Deshalb ist es besonders wichtig, den Kampf fortzuführen. Auf der Vollversammlung haben sich vier Arbeitsgruppen gegründet. In den nächsten Monaten werden wir weiterhin Instagram fleißig bespielen, am bundesweiten Hochschulaktionstag teilnehmen, eine Sonderausgabe der AStA-Zeitung herausbringen und nicht zuletzt selbst eine studentische Rahmenordnung schreiben. Denn obwohl wir diesen Angriff abwehren konnten, ist die Maximalstudienzeit noch immer für viele Studis Realität und die nun in immer mehr Städten stattfindenden Kürzungen an unseren Hochschulen erschweren uns das Studium immer mehr. Deshalb heißt es jetzt für uns: Der Kampf geht weiter!

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