Hoch dem feministischen Musikkapital!

Wir treten für die Geschlechterbefreiung und für die Emanzipation der Frau ein, deren Verwirklichung wir innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Ordnung für unmöglich halten. In jener Ordnung nämlich spiegelt sich der allgemeine Wille in der Profitmaximierung wider. Diesem Willen zur Profitmaximierung müssen sich auch die Profiteure unterordnen, wenngleich er in ihnen seinen besten Ausdruck findet und sie umgekehrt von ihm am meisten profitieren.

Unter Berücksichtigung dieser Vorüberlegungen gilt unser Artikel nicht der Diffamierung der Frauen. Wir wollen im Gegenteil die Rolle der Frauen innerhalb der musikkapitalistischen Ordnung aufgreifen und diese ins Verhältnis zum Feminismus — ihrem immer häufiger auftretenden Inhalt — setzen. Wir werden dafür kein Blatt vor den Mund nehmen und wollen die Diskussion durch dieses ehrliche Vorgehen im besten Falle motivieren.

Musik als Ausdruck gesellschaftlicher Bewegung oder Musik als Ware

Kunst ist nicht nur Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern gleichfalls Ausdruck gesellschaftlicher Bewegung, die sich zu ihren Verhältnissen nicht selten in Opposition wiederfindet. So sucht oppositionelle Bewegung auch in der Musik ihren konkreten Ausdruck, wie die Friedensbewegung der 60er und 70er Jahre im Rock n Roll oder der Kampf gegen den strukturellen Rassismus in den 80er Jahren im Rap oder bereits in den 50er Jahren im Soul. In der Popmusik unseres Jahrhunderts finden schließlich die mehr als 100 Jahre alten oppositionellen Forderungen der Frauenbewegung ihren bislang deutlichsten und einflussreichsten Ausdruck, wenngleich der Ausdruck einer Sache in diesem Fall ihre Verdrehung mit einschließt.

Wir leben in einer Zeit, in der so viele einflussreiche Musiker:innen weiblich sind wie noch nie zuvor und gleichzeitig die Musik ihren Warencharakter erst voll entfalten kann. In einer Zeit also, in der der Musikmarkt seiner Eigenschaft als Markt erst vollständig gerecht werden kann. Diese beiden Ebenen – 1. Partizipation der Frau in der Schaffung von Musik und 2. der Warencharakter der Musik – entwickeln ein ganz besonderes Verhältnis. Die technische Reproduzierbarkeit der Musik ermöglicht erst, dass Musik als Massenprodukt und damit als Ware auf einem Markt gehandelt werden kann. Wie „Musikwaren“ zueinander in Konkurrenz treten, so auch oder in Wirklichkeit die Produzenten dieser Waren und schließlich die zu ihrer Produktion nötigen Arbeitskräfte, die Musiker:innen. Alle Musik untersteht so dem Diktat der Verwertbarkeit: der Möglichkeit also, eine Musikware in Bares zu verwandeln, manchmal offener, manchmal verschleierter zu Tage tretend.

Wir treten für die Geschlechterbefreiung und für die Emanzipation der Frau ein, deren Verwirklichung wir innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Ordnung für unmöglich halten. In jener Ordnung nämlich spiegelt sich der allgemeine Wille in der Profitmaximierung wider. Diesem Willen zur Profitmaximierung müssen sich auch die Profiteure unterordnen, wenngleich er in ihnen seinen besten Ausdruck findet und sie umgekehrt von ihm am meisten profitieren.

Unter Berücksichtigung dieser Vorüberlegungen gilt unser Artikel nicht der Diffamierung der Frauen. Wir wollen im Gegenteil die Rolle der Frauen innerhalb der musikkapitalistischen Ordnung aufgreifen und diese ins Verhältnis zum Feminismus — ihrem immer häufiger auftretenden Inhalt — setzen. Wir werden dafür kein Blatt vor den Mund nehmen und wollen die Diskussion durch dieses ehrliche Vorgehen im besten Falle motivieren.

Die Musiker:innen im Chart- und Popbereich unterliegen diesem Marktdiktat am offensichtlichsten, da gerade die Popmusik als primäre (oft unbewusste) Funktion besitzt, so viele Menschen wie nur möglich zu erreichen. Mit all den Unterkategorien der Popmusik in Verbindung gebracht, erreichen Musikerinnen als vermeintliche Protagonistinnen eines emanzipierten Frauenbildes die frauenemanzipatorische Bewegung in der Gesellschaft. Als personifizierte Stimmen gegen die Unterdrückung der Frau, die Unterminierung ihrer Selbstbestimmungsrechte, erzeugen sie den Schein einer aufkommenden kämpferischen Grundhaltung in der Musikindustrie. Um dem erniedrigenden und objektivierenden Zwang des sexistischen Systems etwas entgegenzusetzen, treten die Musikerinnen selbstbewusst ihrem Geschlecht, Körper und Publikum gegenüber auf. Die Absage an das Patriarchat wird heraufbeschworen: halbnackt, mit großen Werbekampagnen und extravaganten Tourneen, die viel Umsatz generieren sollen. Die Nacktheit als Akt des Protestes oder als reiner Wille des Subjekts verkommt oder wird verdreht, indem diese durch den Zwang des Marktes bereits vorausgesetzt wird. Da die Arbeitskräfte der Musikindustrie – die Musiker:innen – in Konkurrenz zueinander treten, treten auch ihre Nacktheiten in Konkurrenz zueinander. Die Nacktheit einer Musikerin wird nicht ausschlaggebend durch ihren eigenen Willen bestimmt, sondern durch die Profitlogik erzwungen.

Marketing-Feminismus

Der ursprünglich gute Wille, der gegen die gesellschaftliche Vorschrift gerichtet ist, wie sich die Frau zu verhalten, zu kleiden oder zu fühlen hat, kehrt sich in sein Gegenteil um, indem das Diktat der Verwertbarkeit die Ehrlichkeit dieses Willens bis aufs Äußerste aushöhlt. Der Körper der Musikerin wird von der Industrie als sexualisiertes Ding verwertet. Selbst die weibliche Stimmfarbe wird um der Verwertbarkeit Willen abgeflacht, damit auch heterosexuell männliche Konsumenten, ohne sich das entsprechende Musikvideo ansehen zu müssen, ihre eigenen Reizschwellen durchbrechen können. Das ganze Arrangement wird (falls gewünscht) durch Musical-ähnliche Tanzeinlagen ergänzt, um den Schein eines kollektiven Interesses aufrechtzuerhalten. Die gesamte Degradierung des weiblichen Geschlechts in der Kulturindustrie erscheint natürlich nicht erst im digitalen Zeitalter. Der Unterschied zu früheren Ausprägungen besteht jedoch eben darin, diese Degradierung

Die Herausforderung einer wirklich feministischen und kämpferischen Musik besteht gerade in der Aufdeckung der strukturellen Unterdrückungsmechanismen. Dem sich im Hintergrund haltenden Musikkapital den Spiegel vorzuhalten, all seine Mittel der Verwertbarkeit aufzudecken und gegen dieses im Dunkeln verharrende Unbekannte als Kampfmittel zu verwenden, ist der eigentliche Feminismus in der Musik. Der Kampf um künstlerische Freiheit und Selbstbestimmung als Ausdruck des Verlangens nach gesellschaftlicher Befreiung ist notwendig nur mit dem Protest gegen die bestehende musikindustrielle Ordnung zu begreifen.

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