Zwischen 50+1, Fans und Investoren: Wem gehört eigentlich der Fußball?

In Deutschland sind über sieben Millionen Menschen in über 24. 000 Fußballvereinen Mitglied. Alleine beim FC Bayern München sind es 400- 000. Zwei Millionen Menschen spielen zudem selbst aktiv Fußball. Fußball begeistert eine extreme Masse von Leuten und ist zugleich zu einem riesigen Geschäft geworden. In der Fußball-Bundesliga 2023/24 wurden 4,8 Milliarden Euro umgesetzt. Doch welche Rolle spielen wir Fans und Mitglieder, und was ist eigentlich 50+1? 

50+1 – Was soll das sein?

Vor kurzem hat das Bundeskartellamt, Deutschlands oberste Wettbewerbsbehörde, die 50+1-Regel wiederholt für konform erklärt. Dabei wurde auch klargemacht, dass diese nur bei einheitlicher Anwendung aller Vereine gelten könne. Die 50+1-Regel besagt, dass die Mehrheit der Stimmanteile an einer ausgegliederten Profiabteilung immer in den Händen des von Mitgliedern bestimmten Muttervereins liegen muss. Der Einfluss von Investoren wird somit begrenzt. Eine Ausnahmeregelung gilt derzeit für Bayer 04 Leverkusen und den VfL Wolfsburg. Begründet wurden diese Ausnahmen mit einer „ununterbrochenen und erheblichen Förderung über mindestens 20 Jahre“. Unter dem Motto „DFL & Vereine: Wir haben Euch im Blick – 50+1 ausnahmslos umsetzen“ läuft aktuell eine bundesweite Kampagne organisierter Fans in deutschen Stadien. Ziel ist es, Druck auf die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Vereine auszuüben. Die Erwartungshaltung der Fanszenen ist klar: Alle Vereine müssen 50+1 konsequent anwenden oder dem Fußball fern bleiben. Die Vergangenheit zeigt aber, dass trotz 50+1 nicht immer im Sinne der Mitglieder gehandelt wird. Das Rheinmetall-Sponsoring bei Borussia Dortmund, sowie das Abstimmverhalten Martin Kinds, Ex-Boss von Hannover 96, sind prominente Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit.

Wer verdient am Geschäft Fußball?

Profiteure sind Verbände, Investoren und Konzerne. Angefangen bei den Trikots verdienen Adidas und Co. mit. Über Werbeverträge können Konzerne eine riesige Masse an Menschen erreichen. Wir Fans sind es, die den Fußball besonders machen, doch wir bezahlen auch den Preis. Auch wenn mit 50+1 die Mitglieder vermeintlich die Entscheidungsmacht haben sollen, ist der Fußball im Kapitalismus auch nur ein Geschäft wie jedes andere. Das war aber nicht immer so. Im Zuge der Industrialisierung zu Ende des 19. Jahrhunderts wurden geregelte Arbeitszeiten und somit auch mehr Freizeit erkämpft.  Es entstanden viele Fußballvereine gegründet aus Arbeitervereinen, die zur sozialen Integration dienten. Fußball wurde zum Sport der Arbeiterklasse, weil er einfach, billig und überall spielbar war. Ein Sport, der einst den Arbeitern gehörte und heute dem Kapital unterliegt.

Doch es gibt auch Widerstand. Bei einer Abstimmung über mögliche Investoren für die DFL stimmte Hannover 96-Boss Martin Kind entgegen der Anweisung der Mitglieder für einen Investor. Durch die Proteste der Fans konnte der Investoreneinstieg jedoch vorerst verhindert werden. Dieser Sieg ist ein Beispiel dafür, dass man Probleme nur gemeinsam bekämpfen kann. Der Protest eines einzelnen Fans hätte wohl kaum etwas bewirkt. Doch durch die Vernetzung fast aller deutscher Fanszenen, abseits jeglicher Rivalitäten, wurde ein Protest organisiert, dem es schließlich gelang, die Investoren vorerst zu vertreiben.

Fussball für uns alle – statt für Profite!

Dadurch, dass der Fußball zu einem riesigen Geschäft geworden ist, wollen auch immer mehr größere Player ein Stück vom Kuchen abhaben. Die Gefahren von Investoren und Menschen, die den Fußball nur als Geschäft sehen, sind, dass zwangsläufig Spieltage weiter zerstückelt werden, Spiele im Ausland stattfinden könnten und Ticketpreise immer weiter steigen, um die Profite noch weiter zu erhöhen. Alles im Interesse der Konzerne, nicht im Interesse der Fans. Dieses Interesse kann nur stark nach außen getragen werden, in dem man sich organisiert und einen gut geplanten Protest auf die Beine stellt. Sowohl im Stadion als auch darüber hinaus. Denn die Konzerne, die den Fussball aufkaufen, sind dieselben, die uns auch auf der Arbeit ausbeuten. Während beim Fußball viele Fans Widersprüche erkennen und kritisch sind, endet dies leider oft außerhalb des Stadions. Unsere Aufgabe muss es sein, aufzuzeigen, dass diese Wiedersprüche nicht beim Fußball enden, sondern genauso in unserem Alltag vorkommen.

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