Keta und Krawall! – Druck, Drogen und Isolation: Eine betäubte Jugend hält die Füße still

RAF Camora, Zsá Zsá, Ikkimel und RitterLean: Sie alle rappen darüber, wie geil Drogenkonsum ist. Apache, Bonez MC, Paula Hartmann und Haftbefehl: Sie alle wissen, wie es ist, auf Drogen zu sein. Ufo361, 01099, Zartmann und SSIO: Sie alle verwandeln Rausch in Musik. Auszubildende, Schüler, Studierende und junge Arbeiter: Für uns alle sind Drogen ein meist unhinterfragter Teil von Musik, Kultur und Alltag. Doch gehört all das wirklich so selbstverständlich zu unserer Generation, wie uns weiß gemacht wird? Und was bedeutet das konkret für unser Leben?

Drogen gehören nicht nur zu Pop & HipHop, sondern auch zum Alltag der meisten Jugendlichen dazu. Vom Feierabendbier nach einem zu langen Arbeitstag oder mit Freunden vortrinken, um mit freiem Kopf feiern gehen zu können, bis hin zum Trinken vor wichtigen Prüfungen, um dem Leistungsdruck standhalten zu können: Alkohol ist die normalisierteste Droge, dicht gefolgt vom Rauchen. Den Profit aus der Normalisierung tragen die Alkohol- und Tabakkonzerne, die riesige Umsätze damit machen und der Staat, der eine Alkohol- und Tabaksteuer bezieht.

Ob legalisiert oder vom Schwarzmarkt, Drogen kommen in unserem Alltag ständig vor. Doch sie bedeuten nicht nur Rausch. Auch die Schattenseiten sind Teil unseres Lebens: Viel zu oft erleben wir mit, wie unsere Freunde am nächsten Morgen mit einem Filmriss aufwachen. Wie wir einen Badtrip mit Angstzuständen haben. Wie Bekannte von uns auf Drogen hängenbleiben und sich isolieren. Wie Mitschüler beim Drogenticken erwischt werden und Stress mit der Polizei haben. 

Drogen als Normalität in Musik, Film und auf Partys.

In den deutschen Charts auf Spotify findet man in jedem zweiten Song eine Line über Drogen. In vielen Netflix Highschool Dramen wird genauso viel konsumiert wie auf den Hausis, auf denen wir am Wochenende sind. Stadionbesuche, Kirmes und Feste, allen voran das Oktoberfest, sind ohne Suff kaum vorstellbar. Auch den 1. Mai verbinden viele mit dem Tanz in den Mai, der teils sogar städtisch organisiert wird. Es ist kein Zufall, dass der Kater am nächsten Morgen viele Jugendliche und Arbeiter davon abhält, für ihre Interessen auf die Straße zu gehen. Jetzt, wo der Sommer beginnt, werden auch überteuerte Festivals wieder zur Drogenkulisse. Aber Drogenkonsum ist für uns in erster Linie gefährlich und kann schnell entgleisen. An unseren eigenen Festivals können wir sehen, dass es keine Drogen braucht, um eine gute Zeit zu haben, wenn das Gemeinschaftliche und das Zusammenkommen im Vordergrund steht.

Gras: „Ich fick die Welt und zieh am Juana“ (Schmerz, Dardan). Marijuana, Gras, Bubatz – Cannabis hat viele Namen. Gras kann Euphorie, Kreativität und Entspannung, aber auch Panik und Reizüberflutung auslösen. Was eigentlich mit Spaß und Chillen verbunden ist, verlangsamt aber unser Gehirn und endet für manche von uns in einer Psychose, von der wir für Monate aus unserem Alltag gezerrt werden. 

Drogen vertuschen, wer eigentlich an unseren Problemen schuld ist.

Immer mehr junge Menschen kämpfen mit psychischen Problemen. Diese gehen mit Drogenkonsum Hand in Hand: Viele Jugendliche nehmen Drogen, um seelischen Schmerz zu betäuben, während der Konsum selbst psychische Störungen begünstigt. Trotzdem wird aktuell ständig von Politikern gesagt, wir lebten ein perfektes Leben mit 1A „life-life-balance“ (Linnemann, CDU). In der Realität sind viele jedoch längst am Limit: ständig unter Druck, überlastet, unbezahlte Überstunden und trotzdem reicht das Geld oft kaum zum Leben. Der Koalitionsvertrag ist darauf ausgelegt, dass wir noch mehr arbeiten sollen. Schüler und Studierende müssen aktuell große Teile ihrer Freizeit für Nebenjobs opfern. Viele schuften unter miesen Bedingungen – etwa in der Gastronomie – und greifen während der Schichten zu Drogen, um überhaupt durchzuhalten. Auch in anderen Berufen versuchen viele, die Arbeitsbedingungen durch Rausch auszuhalten. Alkoholische Feierabendgetränke als Stressbewältigung sind längst normalisiert.

Egal ob missbräuchliche Erfahrungen oder anderer psychischer Leidensdruck – Drogen tauchen dort auf, wo tatsächliche Maßnahmen der Regierung uns zu helfen ausbleiben. Statt nach den Ursachen zu fragen, zeigt die Politik mit dem Finger auf uns. Sie interessiert nicht, dass viele konsumieren, um mit Leistungsdruck, Konkurrenz und dem Gefühl, nie zu genügen, klarzukommen. Was sie stattdessen interessiert, ist der Umsatz, den Konzerne und Staat mit legalisierten Drogen machen und dass Drogen uns von den strukturellen Missständen ablenken, die diesen Konsum überhaupt erst hervorbringen – indem sie individuelle Wege bieten mit gesellschaftlich verursachten Problemen zurechtzukommen. Aber Drogen lösen keine strukturellen Probleme: zu teure Wohnungen, mangelhafter Schutz vor Gewalt, ein ausgehöhltes Bildungssystem, unsichere Arbeitsverhältnisse und fehlende Perspektiven sind politische Versäumnisse – keine persönlichen Schwächen. Die Normalisierung von Drogen trägt vielmehr dazu bei, dass wir von all dem und dem gemeinsamen Kampf für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen abgelenkt werden.

Eine betäubte Jugend hält die Füße still

In der Line „Vergess’ manchmal das Wesentliche: Drogen, Sex und Party machen” (Tau mich auf) zeigt Zartmann, wie die Partykultur für viele Jugendliche fluchtartig zum Wesentlichen wird und von den eigentlichen Alltagsproblemen ablenkt. So lähmt Drogenkonsum den Widerstand. Eine Jugend, die betäubt ist, kann sich kaum wehren gegen die Angriffe, die die Politik gegen sie vornimmt. Entwickelt sich gelegentlicher Drogenkonsum zu einer Sucht, bröckelt in vielen Fällen der Kontakt zu einem stabilen sozialen Umfeld. So sind Drogen auch ein Mittel, um uns zu vereinzeln und hindern uns daran, uns zusammenzuschließen. 

Schauen wir in die Geschichte, können wir sehen, wie Drogen schon öfter dazu beigetragen haben, dass eine Jugendbewegung im Sand verlaufen ist und heute eher selten mit ihren Inhalten verknüpft wird: Ein Beispiel ist die 68er-Bewegung. Heutzutage verbinden wir die 68er, die für Entnazifizierung, Frieden und gegen Sozialabbau kämpften, oft eher mit kiffenden Hippies. Ohne Frage, die 68er waren eng verwoben mit Drogenkonsum und dieser bremste die Bewegung auch aus. Trotzdem ist es kein Zufall, dass wir uns heutzutage vor allem an diesen Aspekt erinnern. Denn das Bild der harmlosen, bekifften Hippies dient der Politik, die sich seitdem kaum zu unserem Interesse hin verändert hat.

Unsere Nöte müssen ernst genommen werden!

Eine ernsthafte Drogenprävention bedeutet, in unsere Lebensqualität und Perspektiven zu investieren, statt weiter Sozialabbau zu betreiben. Nicht der einzelne Jugendliche ist Schuld, wenn er versucht, durch Drogen einen Ausweg zu finden, sondern die Perspektivlosigkeit und der Druck, dem wir ständig ausgesetzt sind. Drogen isolieren uns, lenken uns ab von den Problemen, die die Politik erst auslöst. Wir greifen zu Drogen, weil wir uns ein schönes Leben wünschen. Aktuell machen Drogen unser Leben aber höchstens aushaltbar und hindern uns daran, uns zusammenzuschließen, um für ein besseres Leben zu kämpfen: Nämlich für eine Welt, die sich auch nüchtern ertragen lässt!

Illegale Drogen: „Sie ist am Fliegen durch das Ketamin – Ihre Blicke wirken leider sehr verwirrt durch das Ketamin“ (Ketamin, YAKARY). Keta wirkt halluzinogen und der Konsum bringt, neben Angstzuständen und Nebenwirkungen, die Gefahr in ein K-hole zu fallen, indem man die Kontrolle über seinen Körper verliert. Neben Keta gibt es noch andere illegale Drogen, wie Koks, MDMA oder Pep. Da der Verkauf unreguliert ist, werden die Drogen oft gestreckt, was beim Konsum gefährlich enden kann. Doch auch reine Formen führen zu körperlichen und psychischen Schäden, die uns Jugendliche im Kopf lähmen können und uns aus dem Alltag reißen. 

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