Was hält die Zukunft für uns bereit?

Ob während der Schule, dem Studium oder der Ausbildung – seit jeher ist das die Frage, die uns als Jugend am meisten beschäftigt. Man wünscht sich eine gute und sichere Zukunft: Dass einem nach einer gelungenen Ausbildung alle Türen aufstehen oder man mit seinem Studium eine Arbeit findet, die einem liegt. Doch in den Gesprächen mit unseren Kolleginnen und Kommilitonen hören wir nur noch selten die Gewissheit und Hoffnung, dass unsere Zukunft auch wirklich ein gutes Leben für uns bereit hält. Häufiger hören wir von Zukunftsängsten: „Werde ich bald in den Krieg ziehen müssen?“, „Bin ich der nächste, der abgeschoben wird?“ oder „Finde ich überhaupt einen Ausbildungsplatz?“. Heute sehen unsere Zukunftsaussichten so schlecht wie lange nicht mehr aus.

Die Krise trifft uns alle gleich, oder?

Anstatt sicherer Ausbildungsplätze, Investitionen in unsere Bildung und Übernahmegarantien erleben wir den größten Stellenabbau seit Jahrzehnten. Von VW über die Deutsche Bahn bis hin zu BOSCH plant ein Großteil der deutschen Unternehmen Arbeitsplätze zu streichen. Dabei hören wir permanent von einer Wirtschaftskrise, die den Stellenabbau zu verantworten hat. Doch die „Krise“ trifft nicht alle gleich, wie wir am Beispiel von VW gut erkennen können. Der Konzern fährt immer noch zweistellige Milliarden Gewinne ein, von denen über die Hälfte an seine Aktionäre ausgeschüttet wird. Aber anstatt in Krisenzeiten diesen Überschuss zu kürzen, lässt das Unternehmen 35.000 Beschäftigte ihre Jobs verlieren. Alles nur damit der Konzern weiterhin Gewinnanteile in Milliardenhöhe an seine Aktionäre ausschütten kann. Diesen Vorgang der „Rationalisierung“ erleben wir in vielen Bereichen der deutschen Wirtschaft. Das Ziel solcher Maßnahmen, wie Stellenabbau und der Verschlankung des Unternehmens, ist es, die Gewinnausschüttungen für Investoren zu garantieren und zu steigern, um möglichst attraktiv am Finanzmarkt zu sein. Dass wir solche Programme gerade vermehrt erleben, ist eine der Folgen der sich zuspitzenden Internationalen Konkurrenz.

Und was bedeutet das für die Angestellten? Nicht nur, dass viele Beschäftigte ihren Arbeitsplatz und damit ihre Existenzgrundlage verlieren. Auch für die übrigen Beschäftigten in den Unternehmen bedeutet der Stellenabbau eine Arbeitsverdichtung. Das heißt, dass die gleiche Arbeit von immer weniger Personal verrichtet werden muss und den Arbeitsalltag für viele Kolleginnen und Kollegen enorm erschwert. Dasselbe gilt für alle Unternehmen, die in diesem Jahr einen Personalabbau angekündigt haben. Die Profite werden um jeden Preis hochgehalten und die Krise auf dem Rücken der Arbeiter abgewälzt. So will die Deutsche Bahn ebenfalls 30.000 Beschäftigte entlassen, gefolgt von Thyssenkrupp mit 11.000 angekündigten Entlassungen, der Deutschen Post mit 8.000 Entlassungen und vielen weiteren deutschen Großunternehmen wie Miele, Ford oder Siemens, bei denen das Ausmaß der Entlassungswellen noch nicht absehbar ist.

Dass Konzerne und Beschäftigte nicht gleichermaßen unter der schwankenden Wirtschaft leiden, zeigen auch unsere Staatsausgaben. Denn ein Großteil der Steuergelder wird nicht etwa genutzt, um unsere Zukunft abzusichern oder für den Ausbau des Bildungs- und Schulwesens verwendet, sondern fließt als Subventionen wieder an jene Unternehmen, die sich als Leidtragende der „Krise“ inszenieren.

Dabei ist immer wieder die Rede davon, dass Subventionen die ökologische Transformation fördern und Arbeitsplätze schaffen. Dass es die gleichen Unternehmen sind, die im selben Atemzug tausende Stellen streichen und damit unsere Aussichten auf einen guten Job zu nichte machen, wird bei dieser Darstellung übersehen. Auch kann man sich die Frage stellen, warum man unsere Steuergelder nutzt, um den Unternehmen eine nachhaltigere Produktion zu schenken und sie es nicht aus ihren Milliarden an Rücklagen finanzieren.

Geld für Rüstung, aber nicht den öffentlichen Dienst

Dass hier nicht in unsere Zukunft investiert wird, zeigt sich auch an den Militärausgaben der Regierung. Da waren erst die 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr vor ein paar Jahren und jetzt die Forderung nach Erhöhung des Verteidigungshaushaltes auf 3,5%.

Zur gleichen Zeit legte die Regierung in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst den Angestellten eine Nullrunde vor. Man spricht davon, dass die nun abgeschlossene Schlichtung erzwungen wurde. Die Gewerkschaft ver.di forderte ursprünglich eine Lohnerhöhung von 8% und 200 Euro mehr für Azubis. Das hätte eine ernsthafte Veränderung bedeuten können, insbesondere in einem Ausbildungsbereich mit einer der höchsten Abbrecherquoten. Das Schlichtungsergebnis sieht nun Erhöhungen von 2,8% im ersten Jahr und 3% im zweiten Jahr vor. Wir sehen also, wo die Prioritäten liegen, wenn man bei gleichzeitiger Aufrüstung nicht bereit ist, auf die Forderungen von über 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst, deren Arbeit uns alle unmittelbar betrifft, einzugehen.

Wir erleben nicht nur einen Kurs des Stellenabbaus und des Sozialabbaus. Auch die Angriffe der Politik auf unsere Arbeitsbedingungen nehmen zu. Auch dies geschieht unter der Prämisse, die deutsche Wirtschaft produktiver und damit wettbewerbsfähiger zu machen.

So forderte der Präsident des Münchner Ifo Instituts, einen Feiertag zu streichen und auch die Handwerkskammer stellte sich hinter die Forderung. Der Allianz-Chef fordert einen Karenztag, also dass am ersten Tag einer Krankmeldung kein Lohn ausgezahlt werden soll. Auch der 8-Stunden-Tag wird von Union und SPD in Frage gestellt und eine Reform des Arbeitszeitgesetzes in Aussicht gestellt.

Also was hält die Zukunft für uns bereit?

Wenn wir uns die Entwicklungen ansehen, dann erkennen wir eine Politik, die gegen uns gerichtet ist. Zunehmende Angriffe auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen. Im politischen Diskurs finden wir uns dabei kaum vertreten. Gerade deshalb müssen wir uns mit unseren Mitteln der Interessenvertretung in Form unserer Gewerkschaften und Vereinen zur Wehr zu setzen und den Kampf um unsere Zukunft aufnehmen. Im Kontext des 1. Mai’s lohnt es sich, einen Blick zurück zu werfen. Denn der Kampf um unsere Arbeits- und Lebensbedingungen und damit auch um unsere Zukunft wird nicht erst seit heute geführt. Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, haben keine lineare Entwicklung, die mit jeder neuen Generation automatisch Fortschritte macht. Im Gegenteil, wir sehen an aktuellen Beispielen, wie umkämpft unsere Arbeitsbedingungen sind und dass sie uns jederzeit wieder streitig gemacht werden können.

In dem Bewusstsein blicken wir aber auch auf eine lange Liste der Errungenschaften der Arbeiterbewegung zurück. Von der 5-Tage-Woche, dem 8-Stunden-Tag über den Mindestlohn bis hin zum Arbeitsschutz. Alles Errungenschaften, die uns nicht einfach ausgehändigt wurden, sondern von unseren Vorgängerinnen und Vorgängern erkämpft wurden. An diesen Kämpfen gilt es anzuschließen, unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und unseren Zukunftsängsten gemeinsam entgegenzutreten.

Wie mobilisiert ihr in eurem Betrieb für den 1. Mai?

Noa Looft, Azubi bei Aurubis:

In Vorbereitung auf den 01. Mai haben wir in der Jugend- und Auszubildendenvertretung einen Aufruf zur gemeinsamen Teilnahme an der Gewerkschaftsdemonstration verfasst und bei verschiedenen Gelegenheiten an unsere Mitauszubildenden verteilt. Außerdem haben wir mit ein paar Leuten ein Banner gemalt, um als Azubis eines Betriebs mit unserer Haltung zur aktuellen Politik sichtbar zu sein.

Mirkan Dogan, aktiv in der IG Metall:

In den kommenden Tagen wollen wir gemeinsam mit vielen weiteren betrieblichen Kollegen unsere Banner für den 1. Mai vorbereiten. Vor allem versuchen wir die Jugendvertretungen hier mit einzubinden. Gerade über die aktuellen Angriffe auf unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen versuchen wir in unseren betrieblichen Gremien zu sprechen und auch mit unseren Kollegen.

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